HTC U11 vorgestellt: Neues Flaggschiff mit Touchrahmen im Hands-on

16. Mai 2017, 09:02
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Neues Bedienkonzept, Snapdragon 835 und Abschied vom Kopfhöreranschluss

Einst Vorreiter bei Android-Smartphones, hat der taiwanesische Hersteller HTC in den vergangenen Jahren gegenüber der starken Konkurrenz von Samsung und chinesischen Newcomern wie Huawei und Oppo zurückstecken müssen. Statt mit einer Fülle billiger Geräte will der Hersteller nun mit Highendmodellen reüssieren. Am Dienstag hat HTC sein neuestes Android-Flaggschiff, das U11, vorgestellt. Es soll sich mit einem neuen Bedienkonzept von den Mitbewerbern absetzen. Der WebStandard hatte im Vorfeld die Gelegenheit das Smartphone auszuprobieren.

Edge Sense

Bei den Spezifikationen ist das HTC U11 im Bereich anderer aktueller Highend-Geräte angesiedelt. Es bietet ein 5,5 Zoll großes Display mit QHD-Auflösung (1.440p), 4 GB Arbeitsspeicher, 64 GB internen, durch MicroSD-Karten erweiterbaren Speicher, Qualcomms neuen Octacore-Prozessor Snapdragon 835 und einen 3.000mAH-Akku. Was es von der Konkurrenz unterscheidet, ist das neue Bedienkonzept namens Edge Sense.

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Das U11 ist HTCs neues Android-Flaggschiff.
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Im Rahmen sind druckempfindliche Sensoren verbaut.

HTC hat in der unteren Hälfte des Geräterahmens druckempfindliche Sensoren verbaut, die zum Ausführen verschiedener Aktionen genutzt werden können. Hält man das gesperrte Smartphone aufrecht in einer Hand und quetscht den Rahmen, startet von Haus aus die Kamera-App im Selfie-Modus – ein zweites Mal Quetschen nimmt ein Foto auf. Wird auf dem Smartphone eine App mit Tastatureingabe ausgeführt, lässt sich durch Quetschen des Rahmens die Spracheingabe aktivieren. Vom Homescreen aus kann der Google Assistent aufgerufen werden.

Erweiterbar

Zum Marktstart bietet Edge Sense noch weniger Features. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es dann über den Edge Sense Companion möglich sein, eigene Aktionen zu programmieren. Die App erscheint im Juli als Betaversion. Damit sich Nutzer schneller mit der neuen Eingabemethode vertraut machen, erscheint beim ersten Einschalten des U11 ein Tutorial.

Im Kurztest funktionierte die einhändige Edge-Sense-Bedienung wie von HTC beworben. Man muss auf beiden seiten des Geräts gleichzeitig etwas kräftiger drücken. Bei der Aufnahme von Fotos ist diese Art der Eingabe durchaus sinnvoll – man muss das Smartphone nicht umständlich in der Hand balancieren, um den Auslöseknopf mit dem Daumen zu erwischen. Außerdem funktioniert Edge Sense auch mit Handschuhen und bei nasser Oberfläche – das U11 ist nach IP67 gegen Wasser geschützt. Ob sich diese Art der Bedienung jedoch breiter durchsetzen wird, ist zweifelhaft. Denn als Nutzer muss man erst überlegen, welche App oder Aktion man nun wie ausführen möchte – über den Touchscreen, eine Spracheingabe oder eben den Rahmendruck. Mehr Funktionen machen die Benutzung eines Smartphones tendenziell komplizierter als einfacher.

Kamera mit HDR Boost

Eine Neuerung bringt auch die Kamera. Die Hauptkamera bietet 12,2 Megapixel, der Frontsensor 16 Megapixel. Dabei setzt HTC im Gegensatz zu Vorgängermodellen wieder auf eine Single- statt der Dualkamera. Das Kundenfeedback habe gezeigt, dass die Nutzer die Dualkamera-Features nicht wirklich verwendet haben, so das Unternehmen. Dafür hat man der Hauptkamera einen schnelleren Autofokus (Dual Pixel Autofocus) und ein neues Feature namens HDR Boost spendiert. Die Kamera nimmt dabei mehrere Fotos auf und vergleicht die einzelnen korrespondierenden Pixel miteinander. So kann Bildrauschen besser herausgerechnet werden, kontrastarme Bildbereiche werden optimiert. Da es sich um ein softwareseitiges Feature handelt, profitiert auch die Frontkamera davon. Seine Stärken soll der HDR Boost vor allem bei schlechtem Umgebungslicht ausspielen.

Im Kurztest fiel vor allem das schnelle Fokussieren – laut HTC benötigt die Kamera nur 0,3 Sekunden – und Auslösen auf. Auch wenn man rasch zwischen Motiven im Vorder- und Hintergrund wechselt, bleibt das Bild scharf. Der HDR Boost benötigt etwas länger für die Verarbeitung der Bilder als bei einem normalen Foto, in den meisten Fällen dürfte das allerdings nicht auffallen. Dafür sorgt der schnelle Snapdragon-Prozessor.

Abschied von Kopfhöreranschluss

Das U11 misst 153,9 x 75,9 x 7,9 mm und wiegt 169 Gramm. Wie Apple beim iPhone 7 hat nun auch HTC auf den Kopfhöreranschluss zugunsten von USB C verzichtet. Im Lieferumfang enthalten ist das HTC-Headset USonic, das den Klang mit einer automatischen Sonar-Gehörvermessung und Active Noise Cancellation verbessern soll. Wer lieber ein anderes Headset mit herkömmlichem Anschluss verwendet, für den hat HTC einen Adapter mit integriertem DAC dazugelegt. Die Gehörvermessung ist allerdings nur mit dem USonic-Kopfhörerset möglich.

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Beim Gehäuse setzt HTC auf eine Rückseite aus Glas.
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Je nach Farbe sind Fingerabdrücke mehr oder weniger stark sichtbar.

Beim Design hat sich HTC schon beim U Ultra vom Metallunibody vieler früherer Modelle verabschiedet. Das neue Flaggschiff kommt ebenfalls mit einer Rückseite aus Glas. Bei der Verarbeitung wurde darauf geachtet, dass die Rückseite nur durch wenige Elemente unterbrochen wird. Selbst das HTC-Logo bleibt vergleichsweise dezent. Neben Schwarz bietet HTC das Gerät auch in Weiß und zwei Blautönen an – wobei der hellere Blauton von HTC "Amazing Silver" genannt wird.

Ob die Farben und die glänzende Oberfläche gefallen oder man Metallgehäuse bevorzugt, ist persönliche Geschmacksfrage. Tatsache ist, dass eine Rückseite aus Glas anfälliger für Fingertapper und Zersplittern ist, während Metallgehäuse eher Kratzer abbekommen und verbogen werden können. Beim U11 ist das Glasgehäuse durchgängig gefärbt, was dem Design mehr Farbtiefe und Reflexionen verleiht. Ob dazu auch schmierige Fingerabdrücke gehören, hängt von der gewählten Farbe ab. Im Test sah man die Tapper auf der weißen Oberfläche stärker als bei den dunklen Modellen.

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Die Oberfläche von Android 7.1.1 passt HTC wie immer leicht an.

Software

Als Betriebssystem setzt HTC auf Android 7.1.1, das wie immer teilweise vom Hersteller angepasst wurde. HTC betont, dass die Anpassungen dezenter als früher durchgeführt wurden. Das U11 unterstützt auch Amazons Sprachassistentin Alexa, die ab Juni in deutscher Version zur Verfügung stehen wird. Google Assistant und Alexa können dabei gleichzeitig ausgeführt werden. In Zukunft will HTC noch mehr Assistenten unterstützen.

Fazit

Mit dem HTC U11 kommt ein weiteres hochwertiges Smartphone mit Top-Ausstattung auf den Markt. Die Kamera besticht mit schnellem Fokus. Das Gehäuse wirkt sehr gut verarbeitet und ist wasserdicht. Damit kann es sich allerdings nicht von der Masse ebenfalls guter Android-Smartphones abheben. Das will HTC mit dem neuen Bedienkonzept Edge Sense erreichen. Aber wie bereits erwähnt, ist es fraglich, ob Nutzer das auch annehmen. Das Smartphone kommt im Juni um 749 Euro auf den Markt – ab 22. Mai ist es beim Mobilfunker A1 in der Farbe Schwarz vorbestellbar. (Birgit Riegler, 16.5.2017)

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