Europas Wälder geraten als CO2-Speicher unter Druck

16. Mai 2017, 09:00
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Forscher warnen vor den Auswirkungen schwindender Artenvielfalt und steigender Nutzung von Waldbiomasse

Wien – Wälder gelten als zentraler Faktor für den Klimaschutz. Doch in Europa geraten sie als Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) immer stärker unter Druck, warnen nun Experten. In einem Bericht des European Academies Science Advisory Council (EASAC) warnen Wissenschafter vor allem vor dem zunehmenden Verlust der Artenvielfalt und der steigenden Nutzung von Wald-Biomasse als Energieträger.

Etwa 42 Prozent der Landfläche der Europäischen Union sind mit Wäldern bedeckt. Sie speichern jährlich rund 100 Millionen Tonnen CO2 – ein Zehntel der europäischen Emissionen aus fossilen Energieträgern. Doch eine einseitige Waldwirtschaft kann den Beitrag der Wälder zur Abschwächung des Klimawandels schmälern, betonen die Forscher von insgesamt 14 europäischen Akademien, darunter die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), in ihrem Bericht.

Anfällige Monokulturen

Kritisch sehen sie etwa die geringe Biodiversität der europäischen Wälder, zu der die Holzindustrie viel beitrage. So würde etwa ein Drittel der europäischen Wälder von einer einzigen Art, der Fichte, dominiert. Lediglich 20 Prozent bestünden aus mehr als drei Arten.

Solche Monokulturen mögen zwar wirtschaftlich attraktiver sein, sie seien aber auch für den fortschreitenden Klimawandel besonders anfällig. Eine höhere Artenvielfalt könne hingegen die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber dem Klimawandel steigern, heißt es in dem Bericht.

Die vermehrte Nutzung von Waldbiomasse zur Energieproduktion sei "nicht klimaneutral". Um das EU-Ziel zu erreichen, bis 2020 insgesamt 20 Prozent der Energie aus erneuerbaren Ressourcen zu gewinnen, würden die Mitgliedsländer inzwischen rund 40 Prozent der jährlichen Holzernte für die Produktion von Bioenergie verwenden.

Schutz für ältere Wälder

Holz sollte besser als Baumaterial verwendet werden, da damit das gespeicherte CO2 dauerhaft der Atmosphäre entzogen wird. Zudem könnten so Materialien wie Stahl oder Beton ersetzt werden, deren Herstellung ebenfalls Emissionen freisetzt.

Die Experten plädieren daher für eine nachhaltigere Waldwirtschaft in der EU. Speziell ältere Waldbestände mit hoher Biodiversität sollten vermehrt geschützt werden, statt auf Waldbiomasse sollte verstärkt auf Wind- und Sonnenenergie als Energielieferant gesetzt werden. (APA, 16.5.2017)

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