Bibliothekarin: Fragmente kamen erst im 20. Jahrhundert nach Admont

15. Mai 2017, 15:29
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Fragmente aus dem Jahr 800 dürften aus einer der umliegenden Pfarren ins Benediktinerstift gekommen sein

Admont – Die frühmittelalterlichen Schriftfragmente, auf die Forscher in Admont gestoßen sind, dürften erst im 20. Jhdt. in das obersteirische Benediktinerstift gekommen sein. Das berichtete Stiftsbibliothekarin Karin Schamberger. Laut den internationalen Experten, die am vergangenen Freitag in Admont tagten, dürften die Fragmente um das Jahr 800 entstanden sein.

Bereits im Jahr 2012 hat der niederösterreichische Handschriftenexperte Martin Haltrich die beiden Pergamentblätter in der Fragmentesammlung des Stiftes entdeckt. Schnell stand die Frage im Raum, ob es sich bei den handtellergroßen Schriftstücken, die lange Zeit als Füllmaterial in einem barocken Buchdeckel zweckentfremdet wurden, nicht überhaupt um eines der ältesten Fragmente in deutscher Sprache handeln könnte: Haltrich hatten die Dokumente an den sogenannten Abrogans erinnert – ein lateinisch-althochdeutsches Wörterverzeichnis aus der Karolingerzeit. Die drei bisher bekannten Abschriften aus dem 8. und 9. Jahrhundert werden heute in unterschiedlichem Blattumfang im Schweizer St. Gallen, in Paris und in Karlsruhe aufbewahrt.

foto: apa/stift admont/enrique pardo
Die Schriftfragmente von Admont dürften um das Jahr 800 entstanden sein.

Stark bearbeitet

Stephan Müller vom Institut für Germanistik der Universität Wien hat die Koordination der weiteren wissenschaftlichen Untersuchung des außergewöhnlichen Fundes übernommen und zuletzt rund ein Dutzend der weltweit führenden Spezialisten nach Admont eingeladen. Einigkeit besteht darüber, dass die beiden Admonter Blätter um 800 entstanden sind.

"Es scheint aber eine sehr eigenständige Bearbeitung des verloren gegangenen Ur-Abrogans zu sein, aus dem die übrigen erhaltenen Abschriften hervorgegangen sind", sagte Schamberger weiter. Auch dürften die Blätter nicht älter als das St. Gallener Exemplar sein, das als die bisher älteste Abschrift gilt. "Wir haben hier eine höhere Bearbeitungsstufe vorliegen", so Schamberger.

Die Besonderheit der Admonter Fragmente besteht laut Stephan Müller darin, dass die lateinischen Wörter bereits in eine vollalphabetische Ordnung gebracht worden sind und dass auch neue, bisher unbekannte althochdeutsche Wörter enthalten sind. Rund zehn Prozent der Wörter seien bisher unbekannt gewesen.

Verworrener Werdegang

Schamberger selbst versucht die Frage zu lösen, wie die Fragmente nach Admont gelangt sind: "Fest steht, dass sie 1963 im Buchdeckel des 'Secretarius" – einer Anleitung zum Briefeschreiben aus dem Jahr 1794 – "gefunden wurden", sagte die Bibliothekarin. Seither wurden sie in der Fragmentesammlung verwahrt. Doch die karolingischen Handschriften wurden nicht in Admont zur Verstärkung des Umschlags des Buches aus dem 18. Jahrhundert verarbeitet. Schamberger: "In Admont sind schon seit dem 16. Jahrhundert die Bücher außer Haus gebunden worden."

Auch sei der "Secretarius" nicht für das Stift selbst renoviert worden: "Dann hätte er einen Ledereinband bekommen", so Schamberger. Sie geht davon aus, dass der barocke Band mit den wertvollen Handschriftenfragmenten "wahrscheinlich aus einer der Pfarren" den Weg ins Benediktinerstift genommen hat. Wissenschaftliche Publikationen zu der sensationellen Entdeckung sind für das kommende Jahr geplant. (APA, 15.5.2017)

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