Mafia-Clan soll mit Flüchtlingsversorgung Gewinne gemacht haben

15. Mai 2017, 12:53
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68 Festnahmen in Kalabrien, NGO unter Korruptionsverdacht – 15 mutmaßliche Mafiosi in Norditalien verhaftet

Rom – Die italienische Polizei hat bei einer Razzia gegen die 'Ndrangheta, die Mafia in der Region Kalabrien, 68 Personen festgenommen. Sie gehören dem einflussreichen Arena-Clan an, teilte die Polizei am Montag mit. Die Verdächtigen werden unter anderem beschuldigt, aus der Verwaltung von Flüchtlingslagern Gewinne lukriert zu haben.

Der Clan soll über eigens gegründete Unternehmen Aufträge für die Lieferung von Speisen an Flüchtlinge in Lagern in Kalabrien und Lampedusa erhalten haben. Im Zuge der Razzia wurden auch der Leiter der Wohltätigkeitsorganisation Misericordia in der Stadt Isola, Capo Rizzuto, und ein Pfarrer wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Die Hilfsorganisation betreibt das Flüchtlingslager der Stadt, eines der größten in ganz Europa.

Führend auch bei Online-Wetten

Den Mafiosi werden auch Erpressung, Waffenhandel, Steuerbetrug und illegale Wetten vorgeworfen, berichtete die Polizei. Der Clan hatte außerdem eine führende Rolle bei Onlinewetten und dem Verleih von Glücksspiel-Pokerautomaten in der Stadt Crotone und Umgebung. Durch die Begünstigung des Clans sei der Markt schwer verzerrt worden, berichtete die Polizei.

Der sizilianische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro hatte vergangene Woche gewarnt, dass mafiöse Organisationen an Gelder für die Flüchtlingsversorgung kommen wollen. Zuccaro führt derzeit Ermittlungen über mögliche Verbindungen zwischen Hilfsorganisationen und Schleppern im Mittelmeer. Die Regierung in Rom rechnet heuer mit Ausgaben in Höhe von 4,6 Milliarden Euro für die Flüchtlingsversorgung.

Die Zahl der Flüchtlinge, die seit Anfang 2017 über das Mittelmeer nach Italien gekommen sind, ist gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 stark angestiegen. 45.101 Migranten erreichten die italienische Küste seit Jahresbeginn, das sind 44 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016, teilte das Innenministerium in Rom mit. Dabei hatte die Zahl der Bootsflüchtlinge, die von der nordafrikanischen Küste nach Italien kamen, 2016 einen neuen Höchststand erreicht. 181.000 Flüchtlinge wurden im Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht. 2015 waren es 170.000 gewesen. Für heuer rechnet Italien mit einem neuen Rekordhoch bei der Zahl der Ankünfte.

Festnahmen in Norditalien

Von Mafiosi gegründete Unternehmen sollen zudem laut Mailänder Justizbehörden durch Bestechung Aufträge von Diskontketten erhalten haben. 15 mutmaßliche Mafiosi sind nun im Rahmen einer Razzia in Norditalien festgenommen worden.

Die Verdächtigen werden beschuldigt, den im sizilianischen Catania etablierten Clan "Laudani" begünstigt zu haben. Im Zuge der Polizeiaktion wurden vier Zentralstellen eines Diskonters vorübergehend geschlossen, der in Italien 200 Supermarkfilialen betreibt.

In den Sog der Ermittlungen wegen mafiöser Verstrickungen ist auch eine Gesellschaft geraten, die für die Sicherheit des Mailänder Justizpalasts zuständig ist. 60 Wohnungen in mehreren italienischen Regionen wurden durchsucht, Immobilien und Bankkonten konfisziert. (APA, 15.5.2017)

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