Western Digital will Verkauf von Toshibas Chip-Sparte blockieren

15. Mai 2017, 12:16
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Western Digital rief Schiedsgericht an – Verkauf der Toshiba-Chip-Sparte gefährdet

Um den Verkauf der Chip-Sparte des japanischen Konzerns Toshiba gibt es Streit. Der Toshiba-Partner Western Digital kündigte am Montag eine Blockade des Vorhabens an. Beide Unternehmen betreiben die Chip-Produktion gemeinsam, Toshiba will seinem Teil aber verkaufen. Western Digital fordert dabei ein Mitspracherecht und will dies nun mit rechtlichen Mitteln durchsetzen.

Dazu rief das Unternehmen nach eigenen Angaben vom Montag ein internationales Schiedsgericht an. Der Rechtsstreit könnte den Verkauf zum Scheitern bringen, der Toshiba rund 18 Mrd. Dollar (16,6 Mrd. Euro) einbringen soll. Zu den Interessenten gehören die Beteiligungsgesellschaft KKR, Taiwans Elektronik-Konzern Foxconn und der US-Chiphersteller Broadcom. Ein Gebot von Western Digital liegt nach Insiderinformationen deutlich unter denen der anderen Bieter.

Keine Verkaufsaktionen ohne Zustimmung

Western Digital will mit dem Anruf des Schiedsgerichts erreichen, dass Toshiba die Ausgliederung seines Anteils an dem Gemeinschaftsunternehmen in eine eigenständige Gesellschaft wieder zurücknimmt und Verkaufsaktionen ohne Zustimmung von Western Digital unterlässt.

Toshiba erklärte, es sei offiziell noch nicht über die Anrufung eines Schiedsgerichts informiert worden. Es habe aber keinerlei Vereinbarungen verletzt, und Western Digital habe daher keinen Anlass, sich in den Verkaufsprozess einzumischen.

Trotz des Streits stieg der Toshiba-Kurs am Montag um 4,2 Prozent. Grund dafür war die Aussicht auf eine Erleichterung bei den Schulden seiner insolventen Kraftwerks-Tochter Westinghouse. Die Besitzer des Voglte-Atomkraftwerks in US-Bundesstaat Georgia unter der Führung des Energiekonzerns Southern hätten sich darauf verständigt, die Verbindlichkeiten bei rund 3,6 Mrd. Dollar zu deckeln, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem bekomme Toshiba mindestens drei Jahre für die Rückzahlung Zeit.

Endgültig

Allerdings sei die Vereinbarung noch nicht endgültig. Die Einigung hänge noch von den Eigentümern einer noch nicht fertiggestellten Anlage von Scana im Bundesstaat South Carolina ab. Auch dort müsse man sich auf dieselben Konditionen verständigen. Westinghouse baut die Atomkraftwerke für die US-Versorger.

Bei den zwei Meilern sind die Kosten drastisch angestiegen. Toshiba schrieb Milliarden ab. Ende März schickte Toshiba seine kriselnde Tochter Westinghouse in die Insolvenz, um damit seine eigene Zukunft zu sichern. Auch der geplante Verkauf der Chip-Sparte soll dazu dienen, Geld in die Kasse zu bekommen.

Toshiba rechnet nach Angaben vom Montag für das bereits am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr nun mit einem Rekordverlust von 950 Mrd. Yen (7,7 Mrd. Euro). Doch das könnte sich noch ändern. Eigentlich wollte Toshiba Mitte Mai die Jahresbilanz vorlegen, aber die Wirtschaftsprüfer haben noch nicht ihre Zustimmung gegeben. (APA, 15.5. 2017)

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