Förderung von Hochbegabten in der Schule ausbaufähig

    16. Mai 2017, 10:54
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    Durch die Digitalisierung können Hochbegabte besser gefördert werden, aber irgendwann sei der Abstand zum Rest der Klasse zu groß, sagt ECHA-Lehrgangsleiter Gerald Stachl

    "Hochbegabt darf mit Hochleistung nicht verwechselt werden", sagt Gerald Stachl. Er leitet den "Lehrgang zur Begabungs- und Begabtenförderung – Specialist in Gifted Education", kurz ECHA genannt, an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich (PHNÖ). Die Förderung von Hochbegabten an Österreichs Schulen sei ausbaufähig, denn Ländervergleichsstudien wie etwa der Pisa-Test würden zeigen, dass Österreich in der Anzahl der Spitzenschüler an Boden verliere, so Stachl.

    Daran hätte auch das jetzt wieder auf Eis gelegte Schulautonomiepaket nichts geändert, sagt er. Anders sieht es mit der bereits in Umsetzung befindlichen Digitalisierungstrategie im Bildungsbereich aus. "Wenn die technischen Mittel sinnvoll eingesetzt werden, können sie tatsächlich Hochbegabte besser fördern", ergänzt er. Irgendwann sei aber die Spanne zu groß, dann sei eine spezielle Klasse sinnvoll, so Stachl weiter.

    Pädagogische Grundausbildung

    Seit 1998/99 werden ECHA-Lehrgänge österreichweit an den Pädagogischen Hochschulen angeboten, derzeit in Niederösterreich, Oberösterreich und Wien. Die teilnehmenden Pädagogen kommen aus allen Schultypen – von der Volksschule bis zum Gymnasium. Warum das Erkennen von Talente nicht mit der pädagogischen Grundausbildung ausreichend abgedeckt wird, erklärt Stachl damit, dass diese Kinder nicht immer mit hervorragenden Leistungen auffallen. Das Phänomen der "Underachiever" zeigt, dass auch stetige Unterforderung zu viel schlechteren Leistungen der betroffenen Schüler führt.

    Drei Semester dauert der Lehrgang, der neben Wissen über begabungsfördernden Unterricht auch einen thematischen Schwerpunkt auf Beratungstätigkeit für Schüler, Eltern und Kollegen legt. Wichtig sei, so Stachl, Hochbegabte möglichst früh zu erkennen, damit sie nicht zu "Underachievern" werden. Daher sollen Eltern ihre wissbegierige Kinder nicht auf den Schulstart vertrösten. In der Schule wiederum müsse mit geförderter Frühentwicklung richtig umgegangen werden. Damit die "Spirale der Enttäuschung" – das Kind stellt in den ersten Schulwochen fest, dass es in der Schule nichts Neues zu lernen gibt – vermieden werde, so der Lehrgangsleiter. (ost, 15.5.2017)

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      foto: christian fischer
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