EU-Abgeordnete planen kritische Resolution zu Nahost

15. Mai 2017, 06:05
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Israels Siedlungspolitik soll verurteilt werden, die Abstimmung ist für Donnerstag geplant

Jerusalem/Brüssel – Zwischen der EU und Israel droht neuer Ärger. Nach Angaben aus dem Europaparlament zeichnet sich ab, dass die Abgeordneten am Donnerstag eine neue kritische Erklärung zum Nahost-Konflikt verabschieden werden. Ein Entwurf aus dem sozialdemokratischen Lager sieht eine scharfe Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik vor.

Zudem wird den Behörden des Landes in dem Text die Diskriminierung der Palästinenser in Ost-Jerusalem vorgeworfen. Eine UN-Resolution mit ähnlichem Inhalt hatte im Dezember zu schweren Spannungen zwischen Israel und den USA geführt. Die rechts-religiöse Regierung von Benjamin Netanyahu hatte damals vergeblich erwartet, dass Washington den kritischen Text mit einem Veto blockiert. Mit der Resolution wird Israel unter anderem zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalems aufgefordert.

Friedensprozess voranbringen

"Es wäre gut, wenn auch das Europaparlament zu verstehen geben würde, dass eine Zweistaatenlösung durch die aggressive und illegale Siedlungspolitik unerreichbar wird", sagte der deutsche Europaabgeordnete Arne Lietz (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Um den Friedensprozess voranzubringen, sei es dringend notwendig, die Resolution der Vereinten Nationen zu unterstützen.

Mit dem gleichen Ziel wollen die sozialdemokratischen Abgeordneten die zuständigen EU-Institutionen auffordern, eine neue Friedensinitiative mit einem festen Zeitplan zu starten. Dabei sollten alle zur Verfügung stehenden "Hebel und Instrumente" genutzt werden, um Einfluss auf die Konfliktparteien auszuüben, heißt es im Entwurf des Entschließungsantrags, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Jahrzehntelanger Konflikt

Ein Sprecher der christdemokratischen Abgeordneten wollte sich nicht zu den Vorbereitungen für die neue Erklärung äußern. Die EVP-Fraktion war allerdings bereits 2015 an einer kritischen Resolution des Europaparlaments zum Nahost-Konflikt beteiligt gewesen. Sie will bis Montagabend einen Entwurf vorlegen, der dann in einen gemeinsamen Entschließungsantrag münden soll.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schwelt seit Jahrzehnten. 1993 erkannten sich Israel und die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO erstmals offiziell an, doch einen Palästinenserstaat gibt es bis heute nicht. Die vorerst letzten Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern waren im April 2014 gescheitert – trotz der Vermittlung des damaligen US-Außenministers John Kerry.

Wegen des Nahost-Konflikts gibt es auch zwischen Israel und der EU seit längerem Spannungen. Israel ist beispielsweise empört über eine EU-Kennzeichnungspflicht für Obst, Gemüse und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse israelischer Siedler in den besetzten Gebieten. Konsumenten sollen damit die Möglichkeit haben, Produkte israelischer Siedler – etwa aus dem Westjordanland – zu kaufen oder bewusst zu boykottieren. (APA, 15.5.2017)

  • Der Regierung von Benjamin Netanyahu wird unter anderem Diskriminierung der Palästinenser in Ost-Jerusalem vorgeworfen.
    foto: apa/abir sultan

    Der Regierung von Benjamin Netanyahu wird unter anderem Diskriminierung der Palästinenser in Ost-Jerusalem vorgeworfen.

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