Raketentest lässt Spannungen in Korea steigen

15. Mai 2017, 07:17
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Fortschritte bei Technologie und Reichweite – USA wollen Strafe für Pjöngjang

Pjöngjang/Wien – Zeit zur Erholung war Moon Jae-in nicht gegönnt. Nur drei Tage nach der Angelobung des neuen südkoreanischen Präsidenten stellte der kommunistische Norden die neue Regierung in Seoul bereits auf die Probe. Nach dem neuen Raketentest des Nordens ließ das Blaue Haus, der Sitz des südkoreanischen Staatschefs, mitteilen, man beurteile das Handeln des Nordens als "leichtsinnige Provokation". Auch Japan verurteilte den Test. Das Weiße Haus in Washington rief dazu auf, dass die Verstöße Nordkoreas gegen UN-Resolutionen nicht weiter ohne Folge bleiben dürften. Die Regierung von Donald Trump fordert daher weitere harte Sanktionen.

In der Region ist man vor allem deshalb beunruhigt, weil Nordkorea weitere Fortschritte in der Technologie zu machen scheint. War beim jüngsten Testversuch vor einigen Wochen das Geschoss noch kurz nach dem Start explodiert, erreichte die Rakete diesmal nach Angaben aus Japan eine Höhe von 2.000 Kilometern. Das ließe auf eine eher untypische Flugbahn schließen, da die Rakete nur rund 787 Kilometer von Nordkorea entfernt wieder ins Meer stürzte. Bei einem normaleren Abschusswinkel hätte sie nach Schätzungen von Militärexperten bis zu 4.000 Kilometer überwinden können – bis zu den US-Basen in Guam sind es nur 3.400 Kilometer. Auch soll das Geschoss über einen neuen Feststoffantrieb verfügen, der es leichter macht, die Rakete mobil einzusetzen – und schwerer, sie zu erkennen.

Dialog trotz Provokationen

Der Test kommt für Moon zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Der neue Staatschef Südkoreas kommt aus dem linksliberalen Lager, er hatte im Wahlkampf für Deeskalation geworben und trotz der verhärteten Fronten mit Nordkorea für den Beginn eines Dialoges argumentiert. Den Raketentest nannte ein Sprecher am Sonntag "sehr bedauerlich". Der Präsident sei aber weiterhin der Meinung, "dass wir die Tür für einen Dialog mit Pjöngjang offenhalten sollen, aber dennoch entschieden gegen Nordkoreas Provokationen vorgehen müssen, um uns nicht zu verkalkulieren".

China, das wegen der Spannungen ohnehin alarmiert ist, rief in einer Reaktion zu Zurückhaltung auf. Eine Verschärfung der Spannungen müsse unbedingt vermieden werden. Der Kreml sprach ebenfalls von "Sorge" über den Test, was den USA aber offenbar nicht reicht: Sie betonten in einem Pressestatement am Sonntag, dass "wohl auch Russland nicht erfreut darüber" sein könne, dass die Rakete so nahe am russischem Boden eingeschlagen sei. (Manuel Escher, 14.5.2017)

  • Kim Jong-un ließ es sich nicht nehmen, den Raketentest persönlich zu überwachen
    foto: reuters/kcna

    Kim Jong-un ließ es sich nicht nehmen, den Raketentest persönlich zu überwachen

  • Diese Rakete bei der Militärparade am 15. April soll die am Sonntag getestete "Hwasong-12" sein.
    foto: apa/afp/ed jones

    Diese Rakete bei der Militärparade am 15. April soll die am Sonntag getestete "Hwasong-12" sein.

  • orf

    Nordkorea droht den USA

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