Hasenhüttl nach 4:5: "So ein Spiel noch nicht gesehen"

14. Mai 2017, 12:20
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Lewandowski von "Wahnsinnsspiel" begeistert – Leipzigs Compper "ziemlich angepisst"

Leipzig – Überragende Treffer, ein irres Tempo und große Emotionen: Das spektakuläre Neun-Tore-Festival von Emporkömmling RB Leipzig und Branchenprimus Bayern München war vielleicht das aufregendste Spiel in dieser Saison und ein klarer Fingerzeig für die Zukunft.

Der FC Bayern hat in dem neuen Vizemeister wohl einen weiteren Dauerrivalen gefunden – neben Borussia Dortmund. Auch wenn die Münchner Comeback-Könige den aufmüpfigen Herausforderer mit einem Kraftakt in der Schlussphase nochmal in die Schranken weisen konnten.

foto: apa/afp/robert michael

"Glückwunsch an die Bayern für diesen Wahnsinnssieg, Glückwunsch an alle, die ins Stadion gekommen sind. Ich glaube, dieses Stadion hat so ein Spiel noch nicht gesehen – und ich auch nicht", sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl noch immer mitgenommen von der rasanten 4:5 (2:1)-Niederlage, gegen die eine Achterbahnfahrt wie ein Kinderkarussell wirkte.

Drei späte Tore

"Wir haben zwar keine Punkte gewonnen, aber Herzen und Sympathien", ergänzte Hasenhüttl. Bis zur 84. Minute hatte der Aufsteiger gegen den Meister mit 4:2 geführt, er hatte das bayerische Starensemble mit seinem Hochgeschwindigkeitsfußball phasenweise sogar vorgeführt. "Das hätten sie lieber sein lassen sollen", sagte Weltmeister Thomas Müller: "Das hat sich gerächt."

Als am Ende die Beine der Leipziger um Doppel-Torschütze Timo Werner und Dreifach-Vorlagengeber Emil Forsberg schwer wurden, schlug der gereizte Riese mit drei Treffern innerhalb von elf Minuten zurück. "Es ist erst vorbei, wenn wir sagen, dass es vorbei ist", twitterte Thiago.

Arjen Robben bekam nach seinem sensationellen Sololauf zum 5:4-Siegtreffer in der fünften Minute der Nachspielzeit von Trainer Carlo Ancelotti einen Kuss auf die Wange gedrückt. "Ein verrücktes Spiel", sagte Ancelotti hinterher, und er schwärmte vom Gegner: "Sie haben eine fantastische Zeit vor sich. Das Team ist jung, talentiert und motiviert."

Leipzig als echter Konkurrent

Natürlich weiß keiner, wie RB in der kommenden Saison die Dreifachbelastung und den höheren Druck durch die Champions-League-Teilnahme verkraftet. Aber in der Form von Samstag ist der erst vor acht Jahren gegründete und durch viele Red-Bull-Millionen gepushte Klub ein Meisterkandidat. Die Bayern wissen, dass in der Messestadt ein starker Rivale herangewachsen ist.

"Wenn der Erste gegen den Zweiten spielt, dann musst du zeigen, warum du die Nummer eins bist", sagte Doppel-Torschütze Robert Lewandowski. Über das Niveau schwärmte der Führende der Torjägerliste: "Ein Wahnsinnsspiel! Viele Tore, viele Aktionen – so schön kann Fußball sein."

foto: apa/afp/robert michael

Bayern-Kapitän Philipp Lahm sah das als Abwehrspieler etwas anders: "Wenn man keine Balance zwischen Angriff und Abwehr hat, dann kommt so etwas dabei raus. Man hat gesehen, dass wir schon ein bisschen in der Sommerpause sind."

Die Leipziger Spieler konnten die vielen Komplimente für eine lange Zeit herausragende Partie kaum trösten. "Ich bin ehrlich gesagt ziemlich angepisst", sagte Innenverteidiger Marvin Compper: "Der Stachel sitzt tief. Erst wenn der wieder draußen ist, kann ich mich über die Vizemeisterschaft freuen." (sid, 14.5.2017)

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    foto: reuters/hannibal hanschke
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