Türkei versetzt mittelalterliches Grabmal wegen Staudammprojekts

    12. Mai 2017, 16:57
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    Letzte Ruhestätte von Zeynel Bey auf Räder gehievt – am Ursprungsort drohte die Überflutung

    foto: apa/afp/ilyas akengin

    Hasankeyf – In einer spektakulären Aktion haben die türkischen Behörden eine spätmittelalterliche Grabstätte versetzt, die in den Fluten eines umstrittenen Staudamms zu versinken drohte. Das 1.100 Tonnen schwere Grabmal wurde am Freitag auf eine riesige Plattform mit Rädern gehievt und zu seinem zwei Kilometer entfernten neuen Standort transportiert.

    foto: apa/afp/ilyas akengin

    Der Transport zu dem im Entstehen begriffenen Archäologiepark außerhalb der Stadt Hasankeyf in der östlichen Provinz Batman dauerte rund fünf Stunden. Dort soll das Monument binnen kurzer Zeit wieder aufgebaut werden. Weitere Bauwerke aus dem historischen Kern der Stadt Hasankeyf sollen auf die gleiche Weise gerettet werden, damit sie nicht im Ilisu-Stausee verschwinden.

    foto: apa/afp/ilyas akengin

    Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Grabmal des Zeynel Bey ist wegen seiner Kuppel und seiner aufwendigen Mosaike berühmt. Es gilt als das einzige noch erhaltene Bauwerk aus der Ak-Koyunlu-Dynastie. Diese kontrollierte weite Teile Ostanatoliens und einen Teil des Kaukasus. Zeynel Bey, Sohn des Dynastiegründers Ak Koyunlu, starb 1473 in einer Schlacht gegen die rivalisierenden Osmanen.

    foto: apa/afp/ilyas akengin

    Das Ilisu-Projekt am Oberlauf des Tigris soll der Stromgewinnung dienen, ist aber stark umstritten: zum einen wegen der Verwüstung archäologischer Stätten, zum anderen wegen der ökologischen Auswirkungen des Mammutprojekts. Zudem befürchten Kritiker, dass die Türkei durch ihre Dammprojekte weiter flussabwärts gelegenen Anrainerstaaten des Tigris den Wasserzufluss abschneiden könnte – ein mögliches politisches Druckmittel.

    foto: apa/afp/ilyas akengin

    Wissenschafter und Staudammgegner protestieren gegen das Projekt. Die Umsetzung des Grabmonuments bezeichneten sie als "unverzeihliche Zerstörung des kulturellen Erbes" und Verletzung der Menschenrechte der örtlichen Bevölkerung. (APA, red, 12.5.2017)

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