Verkehr: Schon geringe Temporeduktion verringert Zahl der Unfälle

    14. Mai 2017, 07:00
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    Jährlich verunfallen rund 1100 Kinder als Fußgänger oder Radfahrer im Straßenverkehr. Viele Kollisionen könnten durch minimale Geschwindigkeitsreduktion verhindert werden

    50 km/h – eine Geschwindigkeit, bei der die meisten Autofahrer wohl behaupten würden, langsam zu fahren. Umso überraschender ist, dass rund 70 Prozent der Kollisionen zwischen einem 50 km/h schnellen Pkw und einem Fußgänger tödlich enden.

    Das ließe sich ändern, weiß Holger Till, Präsident des Vereins "Große schützen Kleine" und Vorstand der Grazer Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie: "Werfen Sie zum Schutz unserer Kinder und anderer Verkehrsteilnehmer, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, öfters mal einen Blick auf den Tacho. Denn schon eine kaum merkliche Geschwindigkeitsreduktion um fünf km/h bewirkt 15 Prozent weniger verletzte und 25 Prozent weniger getötete Fußgänger."

    Neben überhöhter Geschwindigkeit steigt das Unfallrisiko im Straßenverkehr vor allem durch ablenkende Tätigkeiten gravierend an. Beschäftigt mit dem Handy oder dem Bedienen des Navis können 76 Prozent der Lenker ihr Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis nicht zum Stehen bringen.

    Handy als Ablenkung

    Eine Ablenkung von nur zwei Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h verursacht einen um 28 Meter längeren Anhalteweg. Das Unfallrisiko ist beim Schreiben von Handynachrichten deshalb um das acht- bis 23-fache höher. Auch die Freisprecheinrichtung kann da nicht viel ausrichten: Wer beim Autofahren telefoniert, reagiert ähnlich langsam und schlecht wie bei 0,8 Promille Alkohol im Blut.

    Für Kinder ist der Straßenverkehr besonders gefährlich. Sie schauen seltener nach rechts und inks, laufen impulsiv über die Straße, sind motorisch unruhiger, folgen Personen oft ohne zu schauen und wählen den kürzesten Weg. Darüber hinaus ist das Gefahrenbewusstsein von Volksschulkindern noch auf den Augenblick reduziert. Sie können nur ad hoc erkennen: "Jetzt bin ich in Gefahr". Das für die Verkehrssicherheit so wichtige vorausschauende Gefahrenbewusstsein ist erst mit elf Jahren voll ausgebildet.

    Was können Eltern tun, um den Nachwuchs zu schützen? "Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass telefonieren, whatsappen, etc. auch Fußgänger sehr stark ablenkt. Am besten sollte auf der Straße ganz darauf verzichtet werden", rät Till. Auch Musik hören verhindert, dass die Ohren für Verkehrsgeräusche frei sind. Wenn Kinder in der Gruppe unterwegs sind, ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, dass die Straße kein Spielplatz ist: Laufen, schubsen und spielen können zu gefährlichen Situationen führen.

    Ratschläge für Erwachsene

    Die größte Verantwortung liegt jedoch bei den Erwachsenen: "Wenn Sie selbst ein Auto lenken, fahren Sie lieber etwas langsamer und verzichten Sie zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern darauf, Ihr Handy oder das Navi zu bedienen. Wir sollten öfters an eine Grundregel aus der Fahrschule denken: Kinder sind vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen – und verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit", so Till.

    Um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, gibt die Initiative "Große schützen Kleine" folgende Tipps:

    • unbedingt ausreichend Zeit einplanen: Stress erhöht die Unfallgefahr
    • für einen sicheren Schulweg sollten auch Umwege in Kauf genommen werden
    • Kinder sollten am Gehsteig immer möglichst weit innen gehen
    • an Ampeln und Zebrastreifen: dem Kind erklären, dass es erst losgehen darf, wenn alle Fahrzeuge stehen
    • erst nach der Radfahrprüfung oder ab zwölf Jahren darf ein Kind alleine mit dem Fahrrad auf der Straße fahren
    • bis zum zwölften Lebensjahr herrscht Helmpflicht, danach wird das Tragen eines Helms dringend empfohlen, Fahrräder brauchen regelmäßig einen Sicherheits-Check (red, 14.5.2017)
    • Für Kinder ist es im Straßenverkehr besonders gefährlich.
      foto: istock

      Für Kinder ist es im Straßenverkehr besonders gefährlich.

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