Steigende Nachfrage: Schweizer Uhren ticken wieder richtig

12. Mai 2017, 11:36
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Branche litt in den vergangenen Monaten stark unter den Antikorruptionsbemühungen in China, wo teure Uhren als Bestechungsgeschenke aus der Mode gekommen sind

Zürich/Peking – Die Schweizer Uhrenindustrie scheint vorerst über den Berg. Nach 20 Monaten fallender Exporte hintereinander stiegen die Exporte im März 2017 erstmals wieder. Nach Angaben des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH vom Donnerstag nahmen die Ausfuhren um 7,5 Prozent auf 1,59 Mrd. Franken (1,47 Mrd. Euro) zu.

Der stärkste Treiber war der größte Einzelmarkt Hongkong, wohin der Absatz nach 25 negativen Monaten mit 18 Prozent kräftig anzog. In die ebenfalls sehr wichtigen Länder USA, China, Japan und das Vereinigte Königreich wurde ebenfalls mehr exportiert. Dagegen ging der Absatz auf dem europäischen Kontinent zurück. In die Arabischen Emirate ging ein Fünftel weniger Uhren. 2016 gingen die Ausfuhren insgesamt um zehn Prozent auf gut 19 Mrd. Franken zurück.

Rückgang bei teuren Zeitmessern

Mit zweistelligen Wachstumsraten waren im März vor allem Stahl- und Bimetall-Uhren sowie Zeitmesser im Wert von 200 bis 500 Franken stark gefragt. Dagegen ging der Absatz bei teuren Zeitmessern aus Edelmetall erneut zurück.

Die Branche litt in den vergangenen Monaten stark unter den Antikorruptionsbemühungen in China, wo teure Uhren als Bestechungsgeschenke aus der Mode gekommen sind. Auch die Nachfrageflaute in Europa, wo Terroranschläge die kauffreudigen Touristen aus dem Nahen und Fernen Osten vertrieben, hatte den Luxusgüterherstellern zu schaffen gemacht.

Anhaltendes Wachstum in Sicht

Die Trendwende scheint nun erreicht. "Die Märzexporte zeigen definitiv in die richtige Richtung", sagte Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der Vorjahresmonat sei besonders schlecht gewesen, sagte Rene Weber von der Bank Vontobel. "Wir erwarten im April und Mai ein langsameres Wachstum als im März. Aber das Wachstum dürfte nun anhalten", sagte Weber.

Die Zahlen seien zwar gut, aber der Monat März habe zwei Verkaufstage mehr gehabt als 2016, sagte Jon Cox, Chefanalyst beim Broker Kepler Cheuvreux. "Es dürfte eine holperige Erholung werden." Die Verkäufe verbesserten sich zwar, aber die Lager der Händler seien immer noch gut gefüllt.

An der Börse gaben die Aktienkurse des Weltmarktführers Swatch und des Luxusgüterherstellers Richemont um jeweils ein Prozent nach. "Nach dem starken Kursanstieg von Swatch und Richemont im laufenden Jahr um ein Viertel dürfte die Trendwende bereits in die Kurse eingepreist gewesen sein." (APA, Reuters, 12.5.2017)

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    foto: richard mille
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