Honda Clarity: Die Luft ist rein

13. Mai 2017, 05:53
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Honda zeigt als dritter Hersteller, dass Elektromobilität auch mit langen Reichweiten und kurzen Tankzeiten möglich ist, indem man den Strom aus Wasserstoff an Bord herstellt

Kopenhagen – Honda ist nun der Dritte im exklusiven Bunde der Wasserstoffautos und tritt mit dem Clarity erstmals in Europa auf – im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten Hyfive-Programms (Hydrogen For Innovative Vehicles) in Großbritannien und Dänemark. Bis 2022 will Honda an zahlreichen Flottenversuchen in Europa teilnehmen. In Japan und Kalifornien werden diese Autos indes bereits verkauft.

foto: honda
Das Design ist für europäische Maßstäbe zumindest gewöhnungsbedürftig. 130 kW (176 PS) und 300 Nm Drehmoment vom Stand weg ergeben ein Fahrgefühl wie beim Elektroauto.

So hatten wir Gelegenheit, mit dem Clarity in Dänemark zu fahren und auch den Verbrauch zu ermitteln. Das Ergebnis gleich vorab: Wir kamen mit einem Kilogramm Wasserstoff 93,9 Kilometer weit, im Großraum Kopenhagen bei naturgemäß sehr moderatem Temposplit Stadt/Überland/Autobahn. Immerhin lässt das mit 5 kg an Bord eine Reichweite an die 500 km mit einem Tank erwarten, eine erfreuliche Dimension gegenüber einem rein batterieelektrischen Auto. Das Tanken geht etwa so schnell wie mit einem Erdgasauto vor sich, also fast so schnell wie bei Benzin und Diesel.

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Mit etwas mehr als einem Kilo Wasserstoff je 100 km liegt der Honda auf gleichem Niveau wie die Konkurrenten von Hyundai und Toyota.

Honda begann mit dem Thema Brennstoffzelle 1998 mit einem Kleinbus so vollgestopft mit Technik, dass nicht einmal mehr ein Beifahrer Platz fand. Um das Jahr 2000 hatte man dann schon alles so weit geschrumpft, dass die Technik in einen SUV passte, und man experimentierte nicht nur mit Wasserstoff, sondern auch mit Methanol. Heute gibt's also Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb in einer Fünf-Meter-Limousine an der Kante zur Serienfertigung. Wobei natürlich noch das Henne-Ei-Spiel im Gang ist, also auch eine Tankstellen-Infrastruktur aufgebaut werden muss, mit der Hürde versehen, dass das eine ohne das andere nicht funktioniert.

foto: honda

Ein Brennstoffzellen-Auto besteht im Wesentlichen aus einem oder mehreren Wasserstofftanks, Elektromotor, Leistungselektronik, Brennstoffzelle mit Kompressor zur Lufteinblasung und einer Batterie als Zwischenspeicher wie bei einem herkömmlichen Hybridauto. Da der realistische Verbrauch eines Brennstoffzellenfahrzeugs bei etwas mehr einem Kilo Wasserstoff auf 100 Kilometer liegt, sind für eine befriedigende Reichweite Tanks von etwa 5 kg Inhalt erforderlich. Honda hat das mit einem großen Tank von 117 Litern zwischen Rücksitzbank und Kofferraum und einem von 24 Litern unter den Rücksitzen geschafft. Sind die Tanks voll, herrscht darin ein Druck von 700 bar. Deshalb ist es auch nur möglich, sie zylindrisch auszuführen.

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Brennstoffzelle, E-Motor und Leistungselektronik bilden ein Paket, eingebaut unter der Motorhaube. Ausgelegt ist der Clarity 5-sitzig.

Alle Elemente unterzubringen ist nicht ganz einfach. So ist es gelungen, im Vergleich zu dem in den USA und Japan erhältlichen Vorgängermodell die Brennstoffzelleneinheit zu verkleinern, sodass jetzt das Paket von 348 Brennstoffzellen gemeinsam mit Elektromotor, Leistungselektronik und Turbokompressor im Bauraum eines V6-Motors mit Automatikgetriebe untergebracht ist, also unter der Motorhaube. Kern der Verbesserung: kleinere Zellen, größerer Lader für die Luft.

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Die maximale Leistung des Elektromotors liegt bei 130 kW, das Drehmoment bei 300 Nm, also in üblichen Dimensionen einer ausgewachsenen Limousine. Daraus leiten sich auch recht erquickende Fahrleistungen ab. (Rudolf Skarics, 13.5.2017)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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