Vettel gegen Psychokriege: "Nicht clever genug"

11. Mai 2017, 22:49
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WM-Leader: Mercedes "noch immer die, die es zu schlagen gilt" – Hamilton will Sotschi-Scharte ausmerzen – Verstappen: "Will mehr Rennen gewinnen"

Montmelo – Laut Formel-1-Star Sebastian Vettel hat Ferrari das Konkurrenzteam Mercedes noch lange nicht überholt. "Sie sind noch immer die, die es zu schlagen gilt", sagte der Deutsche am Donnerstag vor dem Großen Preis von Spanien. Auf einen Psychokrieg gegen Lewis Hamilton will er sich nicht einlassen. "Da hat er wahrscheinlich die Oberhand. Ich bin dafür nicht clever genug", meinte er schmunzelnd.

Das Duell der zwei Topteams steht auch vor dem fünften Grand Prix der neuen Saison am Sonntag (14.00 Uhr/live ORF eins, RTL und Sky) in Montmelo nördlich von Barcelona im Mittelpunkt. WM-Leader Vettel hat als Gewinner der Rennen in Melbourne und Bahrain 13 Punkte Vorsprung auf seinen Mercedes-Rivalen Hamilton. Zuletzt in Sotschi siegte Valtteri Bottas, der finnische Stallkollege von Hamilton, der in Shanghai triumphiert hatte.

"Wir sind in einer besseren Position als in den vergangenen Jahren, das ist sicher. Aber es ist immer noch ein bisschen früh in der Saison", ließ sich Vettel nicht zur einer Aussage verleiten, wie er seine Chancen in einem möglichen Kampf um den WM-Titel einschätzen würde. Understatement sei dies keines, betonte er. Denn von Psychospielchen halte er grundsätzlich wenig. "Ich führe keine psychologischen Kriege."

"Viele, kleine Dinge"

Hamilton war vor knapp zwei Wochen in Sotschi in Probleme verstrickt, bekam seine Reifen während des Rennens nicht auf die optimale Betriebstemperatur. Mit dem vierten Platz konnte der dreifache Weltmeister am Ende nicht zufrieden sein. "Es waren viele kleine Dinge, die zusammengekommen sind. Es war nicht das eine große Problem", erklärte er bei der Pressekonferenz der Fahrer, zu der er mit seiner Bulldogge Roscoe erschienen war. Der Vierbeiner machte es sich unter dem Tisch gemütlich.

Nach eingehender Analyse der Daten sei sein Team nun besser aufgestellt, was das Verhalten seines Wagens angeht. "Wir haben ein besseres Verständnis jetzt, was schiefgelaufen ist", versicherte Hamilton. "Ob es besser sein wird, kann ich nicht sagen."

Zusätzliche Brisanz bekommt der Zweikampf an der Spitze durch das Gerücht, Vettel habe bereits einen Vorvertrag unterschrieben, um ab der kommenden Saison für die "Silberpfeile" zu fahren. Diese Vereinbarung soll während der Winter-Testfahrten getroffen worden sein, würde aber nicht ausschließen, dass Vettel im Laufe des Jahres doch bei Ferrari verlängert.

"Für nächstes Jahr ist noch nichts unterschrieben", hielt Vettel fest. "Der Hauptfokus liegt auf diesem Jahr. Das ist kein Satz, den ich einfach so sage."

Abwechslung

Auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya gab es in den vergangenen zehn Jahren zehn verschiedene Sieger. Red Bull und Ferrari waren mit jeweils drei Triumphen am erfolgreichsten, Mercedes gewann durch Hamilton und Weltmeister Nico Rosberg zweimal. 2016 sorgte Max Verstappen hier für eine Sensation, indem er in seinem ersten Rennen für Red Bull erstmals anschrieb – als bisher jüngster Grand-Prix-Sieger überhaupt, mit 18 Jahren und 228 Tagen.

Für eine Wiederholung müssten heuer noch mehr glückliche Umstände zusammentreffen als im Vorjahr, als sich die Mercedes-Stars Hamilton und Rosberg in der ersten Runde durch einen Crash aus dem Rennen nahmen. Denn dem RB13 fehlt es an Geschwindigkeit, das Team von Energy-Drink-Milliardär Dietrich Mateschitz ist in der Hackordnung mit Respektabstand Dritter. Ob die zahlreichen neuen Teile, die Red Bull beim ersten Europa-Grand-Prix bringt, daran etwas Wesentliches verändern werden, darf bezweifelt werden.

"Hoffentlich bringen uns die Updates etwas weiter nach vorne. Wir können uns immer verbessern", sagte Verstappen, der dem Erfolg von vor einem Jahr keine große Bedeutung beimessen will. "Es ist 2017 jetzt. Es war schön, aber ich will mehr Rennen gewinnen. Ich bin nicht hier für nur einen einzigen Sieg." Und er stellte klar: "Ich bin stärker als letztes Jahr." (APA, 11.5.2017)

  • Sebastian Vettel blickt nach Barcelona.
    foto: apa/afp/lluis gene

    Sebastian Vettel blickt nach Barcelona.

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