Die Totengräber sind stets parat

Blog12. Mai 2017, 12:13
121 Postings

Freie und kritische Medien sind für Demokratien unverzichtbar. Das Verhältnis von Medien und Politik ist allerdings kein einfaches. Es ist von gegenseitigen Abhängigkeiten und Widersprüchen geprägt

Der Rücktritt von Vizekanzler Mitterlehner hatte, folgt man dessen Aussagen, nicht nur, aber eben auch mit der medialen Berichterstattung zu tun. Zuletzt hatte der ORF das Filmsujet von "Django – die Totengräber warten schon" in der "ZiB 2" eingeblendet, um einerseits die von Medien so viel zitierte Regierungskrise im Allgemeinen und Reinhold Mitterlehners Situation im Besonderen zu thematisieren. Inzwischen hat sich der ORF für die erfolgte Kränkung entschuldigt. Nur ein exemplarisches Beispiel von vielen, die auf das spannungsgeladene Verhältnis von Medien und Politik verweisen.

Es ist eine genuine Aufgabe der Medien, das politische Geschehen zu beobachten, zu analysieren, gegebenenfalls auch zu kritisieren, Missstände aufzuzeigen. Politikerinnen und Politiker sind von medialer Berichterstattung abhängig, ihr Bekanntheitsgrad steigt dadurch, Medien sind als Vermittler der wichtigste Draht der Regierenden zu den Regierten. Medien können dazu beitragen, dass Politik gewählt oder abgewählt wird. Daher haben sie mit ihrer Wirkkraft verantwortlich umzugehen.

Es gehört zu den zentralen Aufgaben der Politik, den Schutz der Meinungsfreiheit zu garantieren und (gesetzlich reglementiert) der Zensur zu entsagen, auf Fragen der Journalistinnen und Journalisten öffentlich zu antworten und Transparenz verantwortlich herzustellen. Medien brauchen diese Informationen und sind insofern auch von der Politik abhängig.

Nicht frei von Reibungszonen

Es ist und bleibt aber folgende Arbeitsteilung: Das Geschäft der Politik ist es, zu regieren oder Opposition zu betreiben, das der Medien, darüber zu berichten, zu recherchieren, zu informieren, das Geschehen zu kommentieren. Was nach klarer Arbeitsteilung klingt, gestaltet sich aber offenkundig nicht frei von Reibungszonen.

Wer definiert, was überhaupt eine Regierungskrise ist und ab wann eine solche zu diagnostizieren ist? Eine einzelne Regierungspartei, beide gemeinsam, die Opposition oder die Medien? Vermutlich alle, aber in sehr unterschiedlicher Form. Je größer das Interesse an Neuwahlen, desto lauter die Krisenbotschaft. Je häufiger die Krisenbotschaft, desto schwieriger die Koalitionsarbeit. Ursache und Wirkung sind hier nicht kausal zu analysieren, sondern verstärken einander.

Die Totengräber auf allen Seiten zu identifizieren und die Wirkmechanismen zu analysieren wäre ein lohnendes Unterfangen für alle Beteiligten. Allerdings hätten sie dann auch Selbstbeteiligung am Schaufeln der Gräber einzugestehen und zu reflektieren. (Larissa Krainer, 12.5.2017)

Larissa Krainer lehrt und forscht an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und ist Sprecherin des Interdisciplinary Media Ethics Center.

Zum Thema

ORF entschuldigt sich für "Kränkung Mitterlehners" – "Django"-Anmoderation in ZiB 2 "hat ihn ganz offensichtlich verärgert" – Der Bericht über die Regierungskrise hatte mit einem Hinweis auf den Film "Django – die Totengräber warten schon" begonnen

  • Larissa Krainer: "Das Geschäft der Politik ist es, zu regieren oder Opposition zu betreiben, das der Medien, darüber zu berichten, zu recherchieren, zu informieren, das Geschehen zu kommentieren."
    foto: privat

    Larissa Krainer: "Das Geschäft der Politik ist es, zu regieren oder Opposition zu betreiben, das der Medien, darüber zu berichten, zu recherchieren, zu informieren, das Geschehen zu kommentieren."

  • Armin Wolfs Anmoderation in der "ZiB 2" vom Dienstag.
    foto: screenshot/orf

    Armin Wolfs Anmoderation in der "ZiB 2" vom Dienstag.

Share if you care.