"Strafe" im Test: Pixelmassaker aus der Games-Vergangenheit

14. Mai 2017, 11:00
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Der Retro-Spaß "Strafe" bringt das Jahr 1996 zurück und verbindet klassisches Shooter-Gameplay mit moderne(re)m Gamedesign

1996 erschien "Quake", und irgendwo, in einem Paralleluniversum, wurde es von einem noch revolutionärerem, noch blutigerem, noch heftigeren First-Person-Shooter übertrumpft: "Strafe" (PS4, Windows, Mac 19,99 Euro), so die augenzwinkernde PR, ist das Spiel, von dem in dieser parallelen Vergangenheit, 21 Jahre entfernt, jeder "Quake"- Freund fantasiert hat.

Der First-Person-Shooter setzt konsequent auf die Ästhetik der Shooterfrühzeit: Von der Webseite über die absichtlich schlechten Ingame-Videos bis hin zum Gameplay feiert "Strafe" die für heutige Geschmäcker jenseitige Ästhetik des 90er-Jahre-Trashs. Der – Vorsicht: sehr blutige und grenzwertige! – "Official Movie Trailer" gibt die Richtung vor.

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Pubertär und unbekümmert

Subtilität geht anders. Subtilität ist aber auch nicht im Entferntesten gewollt. "Strafe" orientiert sich grafisch und in Sachen Spielgefühl an jener Ära des First-Person-Shooters, in der Spielerinnen und Spieler sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit selbst per "Rocket-Jump" durch blockige Levels katapultierten, kantige Monster hektoliterweise eckiges Blut versprühten und piepsig elektronische Heavy-Metal-Riffs den Soundtrack zum Adrenalinrausch beisteuerten.

Hier kämpft man sich mit Schusswaffen durch wahre Gegnerhorden bis zum Levelausgang – so unverschnörkelt einfach war das damals, 1996. "Strafe" ist eine Übung in Nostalgie: So dreckig, böse und im positiven Sinn pubertär unbekümmert wie damals war der First-Person-Shooter später nie wieder.

"Quake" trifft "Spelunky"

"Strafe" erweitert seine Hommage an diese Ära aber durch Spieldesign, das sich in den letzten Jahren durch den Erfolg von Spielen wie "Spelunky" & Co als Garant für lange Motivation bewiesen hat: Rogue-like-Elemente wie Permadeath und immer neue Zufallsgenerierung der Levels sorgen einerseits dafür, dass es weniger um das "Durchspielen" einer Kampagne, sondern um möglichst erfolgreiche "Runs" geht, andererseits zwingen sie dank sprichwörtlicher Härte zum gewissenhaften Feilen an den eigenen Skills.

t6games

Stirbt man in "Strafe", heißt das schlicht zurück zum Anfang – allerdings wirft einem das Spiel jedes einzelne Mal andere Level-Grundrisse und Herausforderungen vor die Flinte. Stumpfes Drauflosstürmen führt hier – wie übrigens auch in den Originalen – allerdings garantiert nicht ans Ziel, stattdessen gilt es, sorgfältig auf Gesundheit und Munition zu achten, um auch in den späteren Levels eine Chance zu haben.

"Strafe" verbindet so rasantes First-Person-Shooter-Gameplay, das sich in Sachen Geschwindigkeit und Geradlinigkeit an den Urahnen orientiert, mit einer gehörigen Portion Taktik. Sowohl für kurze, entspannende Ausflüge in die brachiale Games-Vergangenheit als auch adrenalingetränkte längere Expeditionen gibt es also Gelegenheit.

Fazit

"Strafe" bringt seine klassischen Vorbilder aus der fernen Shooter-Vergangenheit mit der Liebe wahrer Fans in die Gegenwart, beschränkt sich dabei aber nicht aufs blinde Reproduzieren, sondern verwandelt sie dank Rogue-like-Anleihen in eine fast endlos wiederspielbare Hommage an "Quake" & Co. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei allerdings nicht gerade klein: Wer länger als ein paar läppische Minuten durchhalten und bis in spätere Levels vorstoßen will, muss mit einigen Stunden Trainingszeit rechnen.

Entschädigt wird man dafür allerdings auch von einem großartigen Soundtrack sowie den zahlreichen Geheimnissen und "Easter Eggs", die von speziellen Waffen bis zu Spielen im Spiel reichen. "Strafe" ist – durch Stil, Grafik und letztlich "anachronistisches" Gameplay – ein Geschenk an all jene, die sich voll Nostalgie an die Zeiten von "Quake" zurückerinnern.

"Strafe" ist erschienen für PS4, Windows, Mac – UVP: 19,99 Euro.

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