Mordprozess: Lebenslang für den Tod des Lebensmenschen

11. Mai 2017, 18:49
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Ein 48-Jähriger hat nach dem Beziehungsende seine Ex-Freundin getötet. Er bestreitet einen geplanten Mord und will nur "ausgezuckt" sein

Wien – In ihrem überlangen Eröffnungsplädoyer versucht Verteidigerin Astrid Wagner die Geschworenen im Mordprozess gegen Manfred B. davon zu überzeugen, was für eine furchtbare Kindheit ihr Mandant hatte. Verständlicherweise, denn die war tatsächlich schrecklich.

Der Vater Alkoholiker, der die Mutter bis zur Bewusstlosigkeit schlug. Heimaufenthalte ab dem Alter von vier Jahren, für die er schließlich 25.000 Euro Entschädigung erhielt. Ab zwölf auf dem Strich, wo er von einem Freier vergewaltigt wurde. Eine Pflegefamilie, in der der Vater ihn als "Lustknaben", wie es Wagner ausdrückt, missbrauchte.

Ob das alles ein Auslöser war, warum der 48-Jährige am 26. September seine Ex-Freundin tötete, muss das Gericht unter Vorsitz von Georg Olschak entscheiden. Aus Sicht des Staatsanwalts deutet vieles auf einen geplanten Mord hin.

Nur zwei Beziehungen mit Frauen

"Ich habe eigentlich nur zwei Beziehungen gehabt", erzählt der großgewachsene Angeklagte. Mit seiner Ex-Frau war er zwölf Jahre zusammen und hatte eine Tochter. Nachdem sich die Frau scheiden ließ, lernte er das spätere Opfer kennen. "Sie war sein Lebensmensch", skizziert Wagner die Beziehung mit der zwölf Jahre älteren Frau.

B. sagt, "sie war die Richtige für mich". Ganz friktionsfrei war die Beziehung im letzten Jahr aber nicht mehr. Zweimal trennte man sich, kam aber bald wieder zusammen. Im September machte die Frau aber endgültig Schluss. Sie hatte mit Yoga begonnen und wurde Veganerin, legte sich einen neuen Freundeskreis zu.

"Ich spüre keine Liebe mehr", eröffnete sie dem Angeklagten schriftlich. Der das offensichtlich nicht wahrhaben wollte. Zu Beginn habe er das zwar noch akzeptiert, bald begann er im Internet aber auch nach Begriffen wie "Wie gewinne ich meine Ex-Freundin zurück" zu suchen.

"Würgespiele" und "Kehlkopfschnitt"

Was den Vorsitzenden misstrauisch macht, sind andere Suchanfragen. "Sie haben auch viel nach Selbstmordarten gesucht. Aber auch nach 'Würgespiele', 'Kehlkopfschnitt', 'Luftröhrenschnitt' und 'K.-o.-Mittel selber machen''."

Der seit Jahren depressive Angeklagte sagt, er wollte sich umbringen. Auf die anderen Begriffe hätten ihn Sadomaso-Seiten gebracht. "Das hat mir Erleichterung verschafft." – "Zu Mittag?", wundert sich Olschak. "Ich war damals schon ab der Früh betrunken."

Am Tattag traf man sich zu einer Aussprache. Zunächst im niederösterreichischen Wohnort der Frau, in den Jahren der Beziehung hatte man nie eine gemeinsame Wohnung gehabt. B. bekam den Eindruck, dass vielleicht doch noch nicht alles vorbei sei. "Sie ist auch mit mir zurück nach Wien in die Wohnung gefahren."

Alkohol, Joints, Medikamente

Seiner Darstellung nach sprach man sich dort aus, die Frau fasste eine Paartherapie ins Auge. Es wurde aber nicht nur gesprochen, sondern auch Diverses konsumiert. Bier, Wodka, Joints und Tabletten. Primär vom Angeklagten.

"Sie ist dann auf die Toilette gegangen. Ich habe den Fehler gemacht und in ihr Handy geschaut." Dort habe er eine Nachricht gefunden. "Komm das nächste Mal bitte nicht so spät", las er. "Die Nachricht wurde bei der Spurensicherung aber nicht mehr gefunden", hält ihm der Vorsitzende vor. "Vielleicht habe ich sie gelöscht."

Als das Opfer im Bett lag, habe er sie gefragt, ob es schon einen neuen Mann gebe. Sie antwortete: "Ich hole mir Nähe und Zärtlichkeit woanders." – "Dann bin ich ausgezuckt", gesteht der Angeklagte.

15-mal zugestochen

Er nahm ein Kabel aus der Bettzeuglade und begann sie zu strangulieren. "Ich bin kein Mediziner, ich habe geglaubt, sie ist tot." Was ihn nicht davon abhielt, in die Küche zu gehen und zwei Fleischmesser zu holen. 15-mal stach er laut Obduktion zu, was erst zu ihrem Tod führte.

Eine eigenartige Handlung führte er noch durch. Ob vor oder nach der Tat, weiß er nicht mehr, jedenfalls versenkte er sein Mobiltelefon und das des Opfers in der mit Wasser gefüllten Abwasch. "Das war das Ende, der Untergang", sei ihm bewusst geworden.

Er verließ irgendwann die Wohnung, um sich selbst zu töten. Der Plan, sich zu erhängen, ging nicht auf, da er zu betrunken war. Also nahm er einen Medikamentencocktail, der ihn fast umbrachte. Als er aus dem Koma erwachte, sei schon die Polizei am Krankenbett gestanden. "Zu einer fragwürdigen Befragung", kann sich Olschak nicht verkneifen.

Am Donnerstagabend wurde er von dem Wiener Schwurgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. (Michael Möseneder, 11.5.2017)

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