Kastner & Öhler sieht sich als Opfer der Klagenfurter Parteipolitik

11. Mai 2017, 12:28
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Das Grazer Handelshaus wollte groß in der Klagenfurter Innenstadt investieren. Daraus wird nichts. Zurück bleibt verbrannte Erde

Klagenfurt – Kastner & Öhler kehrt Klagenfurt nach jahrelangem Tauziehen mit der Stadt um einen großen Standort in der Innenstadt zur Gänze den Rücken. Das steirische Familienunternehmen sieht sich in Kärnten als Opfer eines parteipolitischen Deals und übt scharfe Kritik an einer aus seiner Sicht "höchst bedenklichen Rolle" der Klagenfurter Wirtschaftskammer.

Kastner & Öhler wuchs einst im Versandhandel, bis das Unternehmen auf Warenhäuser umsattelte. Heute sind die Grazer vor allem im Sportartikel- und Modehandel aktiv. Ihre mittlerweile 30 Standorte, Gigasport eingerechnet, zählen mehr als 1600 Mitarbeiter.

Zu den bestehenden 13 Filialen von Kastner & Öhler sollte eine 14. im Zentrum Klagenfurts kommen. Rund 20 Millionen Euro wollte die Gruppe investieren und 80 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Stadtregierung erteilte dem Projekt jedoch im April eine Absage: Kastner & Öhler sei in Klagenfurt zwar grundsätzlich willkommen, nicht aber am gewünschten Standort.

Innenstadt-Kaufleute gespalten

Die Stadt sah keine positiven Effekte für die Belebung der Innenstadt durch die in Summe zusätzlichen 5500 Quadratmeter Verkaufsfläche. Ihre rote Karte erhielt zudem die geplante Tiefgarage mit 180 Parkplätzen. Widerstand kam auch von der Wirtschaftskammer. Viele City-Kaufleute konnten sich dafür hingegen durchaus erwärmen. Kastner & Öhler-Chef Martin Wäg hatte zahlreiche Studien vorgelegt, die eine Verträglichkeit belegen. Er schließt nun alternative Filialen in Klagenfurt aus. Wäg empfiehlt Kunden, bei Kastner & Öhler lieber online, in Villach oder Graz einzukaufen und erwägt, statt in Klagenfurt ein neues Haus in Leoben zu bauen. (vk, 11.5.2017)

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