Amtsdauer der ÖVP-Parteichefs wird immer kürzer

11. Mai 2017, 06:17
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Durchschnittlich nur noch 4,5 Jahre – In der SPÖ sind es 8,9 Jahre

Wien – Die Zeit, die ÖVP-Chefs im Amt vergönnt ist, wird immer kürzer: Mit Reinhold Mitterlehners nur 2,5 Jahren sank die Durchschnitts-Dauer von Wahl bis Abschied auf 4,5 Jahre; bei seinem Antritt waren es noch 4,6 – und seit Wolfgang Schüssels Abgang 2007 blieben die vier Nachfolger im Schnitt nur 2,5 Jahre. Insgesamt verbrauchte die ÖVP seit 1945 16 Obleute – weit mehr als andere Parteien.

So ist Christian Kern erst der neunte SPÖ-Vorsitzende seit 1945 – das bedeutet im Schnitt 8,9 Jahre Amtsdauer. Die erst 1956 gegründeten FPÖ bringt es mit Heinz-Christian Strache zwar schon auf den 13. Parteiobmann – drei davon sprangen aber nur interimistisch ein. Rechnet man diese weg, kommen die übrigen zehn auf durchschnittlich sechs Jahre. Und Strache ist mit etwas mehr als zwölf Jahren der mit Abstand längst dienende amtierende Parteichef.

Glawischnig hält bei acht Jahren

Bei den Grünen kommt man auf nur 3,9 Jahre "Haltedauer" – dies jedoch deshalb, weil sie anfangs aus Prinzip alle zwei Jahre die Spitzenfunktionäre austauschten; eine dem Parteichef wirklich vergleichbare Funktion gibt es formal erst seit 1992. Eva Glawischnig – die seit Gründung 1986 achte Spitzenvertreterin – hält sich bereits acht Jahre und vier Monate im Amt.

In der ÖVP schafften nur drei mehr als acht Jahre: Spitzenreiter ist – dank seiner Kanzlerschaft – mit zwölf Jahren Wolfgang Schüssel. Alois Mock war zwar weder Kanzler noch Wahlsieger, hielt sich aber fast zehn Jahre. Der Dritte ist Julius Raab, der es in der Phase der ÖVP-geführten Großen Koalitionen auf acht Jahre brachte.

Schüssel schwarzer Spitzenreiter

Diese drei hoben die durchschnittliche Amtsdauer bedeutend an – denn insgesamt standen nur sechs Parteichefs mehr als vier Jahre an der Spitze der ÖVP. Neben Schüssel (der einzige seit den 1990er-Jahren), Mock und Raab waren dies Karl Schleinzer, Leopold Figl und Josef Klaus. Erhard Busek kam auf 3,8 Jahre und Mitterlehners direkter Vorgänger Michael Spindelegger auf 3,3. Josef Riegler, Molterer und Pröll standen ebenso wie Mitterlehner nicht einmal drei Jahre lang an der Parteispitze – wobei Pröll (mit 866 Tagen) noch etwas früher ging als Mitterlehner (914 Tage).

Dass das politische Leben an der Spitze in der ÖVP am kürzesten ist, sieht man auch in der Gesamtliste der bisher 43 roten, schwarzen, blauen und grünen Parteichefs: Schüssel ist dort (mit 4.382 Tagen) nur Sechster, Strache mit (am 11. Mai) 4.401 Tagen hat ihn schon überholt. Erster ist ebenfalls ein FPÖ-Chef, Friedrich Peter (7.322 Tage von 1958 bis 1978) – und Jörg Haider liegt als FPÖ-Chef von 1986 bis 2000 mit 4.978 Tagen auf Rang 3. Zweiter ist SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky (6.112 Tage von 1967 bis 1983), Vierter sein Parteikollege Adolf Schärf (4.407 Tage von 1945 bis 1957). (APA, 11.5.2017)

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