Im Auto essen

Kolumne16. Mai 2017, 14:30
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Friedensstifter ohne Rücksicht auf die Sitzbank oder purer Horror?

foto: getty images/istockphoto/4kodiak

Pro
von Petra Stuiber

Weiß hier jeder, was Beyblades sind? Nein? Macht nichts, ist keine Bildungslücke. Es sei nur so viel verraten: Über und um sie kann während einer längeren Autofahrt auf der hinteren Sitzreihe gestritten werden, dass einem auf der vorderen Hören und Sehen vergeht. Man schenkt einander nichts. Weil es allerstrengstens verboten ist, Sachen nach vorn zu werfen (zwei Wochen iPad-Verbot! Mindestens!!), bewirft man einander eben hinten. Bis einer brüllt.

Das ist der Moment, in dem der genervte Fahrer und Vater mit quietschenden Reifen zur nächsten Tankstelle einbiegt und die entnervte Beifahrerin und Mutter ins Geschäft sprintet, um Essen zu kaufen. Plus lustiges Getränk. Plus Nachspeise. Alles zweimal. KEIN Spielzeug dazu, bitte!!!

Im Auto nur noch Kaugeräusche. Jetzt heißt es, geistesgegenwärtig die CD vom kleinen Drachen Kokosnuss einzulegen. Auf dass die Ruhe länger währe. Wie die Sitzbank hinten ausschaut, interessiert uns jetzt nicht. Putzen wir später. Irgendwann. Zugegeben, unser Auto hat schon bessere Zeiten gesehen. Aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch.

Kontra
von Guido Gluschitsch

Autos und Speisen sind mir lieb und teuer. Die Autos bekommen nur Sprit mit 100 Oktan, obwohl es einen solchen noch nicht einmal für Rennwagen gab, als meine Kisten noch neu waren.

Mit dem Essen ist es auch recht heikel, weil das Zeug schneller auf den Hüften ist als im Mund. Da stopft man sich nicht irgendeinen Gatsch ins Gesicht. Erst recht nicht in einem Auto.

Der pure Horror wären fettige Flecken in den neubezogenen Sitzen, die dann im Capri einen feinen Duft von Schachtelwirt verströmen. Oder ein Scherer im frischen Lack von einem Rempler vor einem Drive-in. Ein Auto ist in meiner Welt kein stinkender Kübel, der mich von A nach B bringt, und Essen ist kein Pausenfüller.

Sie verstehen immer noch nicht, warum man zwei Tätigkeiten, die einem so wichtig sind, nicht kombinieren kann? Lassen Sie es mich so sagen: Ich liebe meine Frau – und wer meinen Facebook-Account kennt, weiß, dass ich sehr gern Katzenfotos mache. Aber: Ich mache nie Katzenfotos, während ich meine Frau liebe. (RONDO, 16.5.2017)

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