Nato erwägt Ausweitung der Truppenpräsenz in Afghanistan

10. Mai 2017, 17:54
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Stoltenberg: "Afghanistan wieder zum "sicheren Zufluchtsort für internationale Terroristen"

London – Die Nato erwägt eine Aufstockung ihrer Präsenz in Afghanistan. Derzeit werde geprüft, ob Tausende weitere Soldaten in das Land entsandt würden, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch nach einem Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May in London. Aus militärischer Sicht brauche es für den Bündniseinsatz am Hindukusch einige Tausend Soldaten mehr, so Stoltenberg.

Es müsse verhindert werden, dass "Afghanistan wieder zum 'sicheren Zufluchtsort für internationale Terroristen'" werde, erklärte er weiter. Eine politische Entscheidung solle bereits in den kommenden Wochen getroffen werden. Um den Afghanistan-Einsatz soll es an diesem Donnerstag auch bei einem Treffen von Stoltenberg mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin gehen. In großer Runde soll dann beim Nato-Gipfel am 25. Mai in Brüssel beraten werden.

Überforderte Armee

US-Generäle werben seit Monaten um mehr Soldaten in Afghanistan. Hintergrund ist das schnelle Erstarken der radikalislamischen Taliban. Die afghanische Regierung kontrolliert nach Militärangaben nur noch 60 Prozent des Landes. Die afghanische Armee ist überfordert. Neue internationale Soldaten würden vermutlich vor allem die als viel zu klein geltende Trainingsmission der Nato für die afghanischen Streitkräfte aufstocken.

Der derzeitige Beratungs- und Ausbildungseinsatzes der Allianz in Afghanistan umfasst rund 13.000 Einsatzkräfte. Der Nato-Kampfeinsatz endete 2014. Auf dem Höhepunkt waren weit mehr als 100.000 ausländische Soldaten im Land. Die meisten verwalten das große Nato-Lager in Nordafghanistan. Andere arbeiten als Trainer und Berater der afghanischen Streitkräfte. Mehr als ein Drittel des Landes wird nicht von den Sicherheitskräften der Regierung kontrolliert.

US-Medien zufolge erwägt die Regierung von Präsident Donald Trump, ihre Truppen im Land um bis zu 5.000 Mann aufzustocken. Im Gegensatz zu den Nato-geführten Truppen leiten die US-Amerikaner auch bilateral Hilfe für die afghanische Regierung, etwa durch Luftangriffe. (APA, 10.5.2017)

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