Rekordfund: Leben könnte in heißen Quellen an Land entstanden sein

10. Mai 2017, 18:06
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3,48 Milliarden Jahre alte Fossilien in mineralischen Sedimenten sprechen gegen eine Entstehung im Ozean

Entstanden die ersten lebenden Zellen im Meer oder in Tümpeln an Land? Obwohl bereits Charles Darwin 1871 den Ursprung des Lebens in "warmen kleinen Teichen" vermutet hat, favorisiert heute die Mehrheit der Wissenschafter eine These, wonach primitive Mikroben im heißen Wasser rund um hydrothermalen Quellen am Grund des Meeres ihren Anfang nahmen.

Einer der Gründe für die Ozeantheorie ist der Mangel an frühen terrestrischen Lebensspuren: Bis vor kurzem galten 2,9 Milliarden Jahre alte Funde aus Südafrika als älteste Belege für Leben an Land, während die frühesten Meeresorganismen auf 3,7 Milliarden Jahre datiert werden. Ein aktueller Fund, der nun im Fachblatt "Nature Communications" vorgestellt wurde, könnte diese Überlegungen allerdings über den Haufen werfen, denn neue fossile Belege lassen den Schluss zu, dass der erste Lebensfunke vielleicht doch dereinst in einem Tümpel erglühte.

Bakterielles Ökosystem

Bei der Analyse von gut erhaltenen Sedimenten in der sogenannten Dresser-Formation in Westaustralien ist ein Team um Tara Djokic von der University of New South Wales auf das Mineral Geyserit gestoßen, das in heißen Quellen an der Erdoberfläche gebildet wird. In diesen Ablagerungen entdeckten die Forscher Rückstände von bakteriellen Organismen mit einem Rekordalter von 3,48 Milliarden Jahren.

Für die beteiligten Wissenschafter ist der Fund ein eindeutiger Hinweis: "Das belegt, dass das irdische Leben auf dem Land rund 580 Millionen Jahre älter ist als bislang bekannt", meint Djokic. Untermauert wird das noch davon, dass die Forscher gleich mehrere Mikroben-Fossilien in den Ablagerungen unterscheiden konnten. Offenbar existierte damals schon eine vielfältige Bakteriengemeinschaft in den heißen Quellen an Land.

Leben auf dem Mars

Die Funde sind nicht nur für den Ursprung des Lebens auf der Erde relevant, sondern liefern auch Impulse für Astrobiologen: "Unsere Entdeckung hat bedeutende Auswirkungen auf die Suche nach Mikroben auf dem Mars, da der Rote Planet ebenfalls über Ablagerungen früherer heißer Quellen verfügt, die jenen der Dresser-Formation ähneln," meinen die Forscher. (red, 10.5.2017)

  • Kleine Blasen, die sich in 3,48 Milliarden Jahre alten Sedimenten im Westen Australiens erhalten konnten, sprechen für ein reichhaltiges bakterielles Ökosystem an Land.
    foto: unsw

    Kleine Blasen, die sich in 3,48 Milliarden Jahre alten Sedimenten im Westen Australiens erhalten konnten, sprechen für ein reichhaltiges bakterielles Ökosystem an Land.

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