Belvedere-Direktion spricht sich gegen Essl-Leihgabe aus

    10. Mai 2017, 15:51
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    Stella Rollig und Wolfgang Bergmann kritisieren, wie der Deal um die Dauerleihgabe an die Albertina zustande kam

    Wien – Im Februar wurde bekannt gegeben, dass die Kunstsammlung von Karlheinz Essl, an der zu 60 Prozent Hans Peter Haselsteiner beteiligt ist, für 27 Jahre als Dauerleihgabe der Albertina überantwortet werden soll. Gegen den Deal, für den Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) hochgerechnet zumindest 35 Millionen Euro Subvention locker machen will, regte sich bald Widerstand: Neben dem Museumsfachmann Dieter Bogner hatten zuletzt auch die Mitglieder der Wiener Secession ihrem Unbehagen Luft gemacht. Albertina-Kuratoriumsmitglied Günther Havranek trat aus Protest gegen die Einigung von seinem Amt zurück. Er vermisse "die Grundsätze der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit".

    In einem Gespräch mit der APA sprechen sich nun die Direktoren des Belvedere, Stella Rollig und Wolfgang Bergmann, offen gegen den Deal aus: "Die Sammlung in toto als Dauerleihgabe zu übernehmen und der Albertina zuzuschlagen, halte ich für falsch", so Rollig. Vielmehr wäre im Einvernehmen mit den betreffenden Museumschefs von Albertina, Belvedere und Mumok ein Konzept für die Zukunft der Sammlung zu erarbeiten gewesen.

    Im Hinblick auf eine anstehende Museumsreform, die die Zusammenarbeit zwischen den Häusern verbessern soll, hofft der wirtschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, "dass das ein einmaliger Vorgang war." Denn das Essl-Beispiel habe "mit Kooperation überhaupt nichts zu tun", es sei "das Gegenteil davon".

    Im APA-Gespräch äußerten die beiden Direktoren außerdem den Wunsch, die Ausstellungsräume des Winterpalais in der Himmelpfortgasse weiter für das Belvedere nutzen zu können. Mit Jänner 2017 ist es aus der Obhut des Belvedere und damit des Kulturministeriums zurück zum Finanzministerium, dem Eigentümer des Prachtbaus, gewandert. Kulturminister Drozda (SPÖ) hatte dies im Oktober vergangenen Jahres als notwendigen Abtausch im Ringen um eine Erhöhung des Kulturetats dargestellt. Seither ist unklar, wie das Haus künftig genutzt werden soll. (stew, 10.5.2017)

    • Seit 100 Tagen im Amt: Das Belvedere-Direktorenduo Stella Rollig und Wolfgang Bergmann.
      foto: apa/hans klaus techt

      Seit 100 Tagen im Amt: Das Belvedere-Direktorenduo Stella Rollig und Wolfgang Bergmann.

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