Studie: Glasfaserausbau in Deutschland ist eine Katastrophe

    10. Mai 2017, 11:12
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    "Unambitionierte Ziele, eine fehlende gesamtstaatliche Strategie, unkoordinierte Förderprogramme und fehlender Mut"

    Deutschland hat beim Bau von superschnellen Glasfaser-Datenleitungen Experten zufolge einen großen Rückstand. "Unambitionierte Ziele, eine fehlende gesamtstaatliche Strategie, unkoordinierte Förderprogramme und fehlender Mut, konsequent auf Glasfasertechnologien zu setzen, sind die Hauptursachen für das Hinterherhinken Deutschlands beim Ausbau des Glasfasernetzes", lautet der am Mittwoch veröffentlichte Befund des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Bundesrepublik sei auf der Kriechspur unterwegs. Dabei sei eine leistungsfähige Breitband-Infrastruktur unabdingbar Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

    Breitband wichtig für Wirtschaftsleistung

    Nach Berechnungen der Weltbank können Industrienationen ihre Wirtschaftsleistung zusätzlich um 1,2 Prozent ankurbeln, wenn sie die Zahl der Breitbandanschlüsse um zehn Prozent erhöhen. Rasante Online-Anschlüsse verbesserten etwa die Automatisierung in der Fertigung und sorgten dafür, das Berufstätige besser zusammenarbeiten könnten.

    "Der aktuelle Stand der Glasfaser-Versorgung ist nicht gut, aber das eigentliche Drama ist, dass der Aufholprozess durch politische Weichenstellungen unzureichend unterstützt wird", sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Handeln müsse vor allem die Politik, um ambitioniertere Ziele voranzutreiben. Die derzeitige deutsche Zielmarke von landesweit 50 Megabit in der Sekunde (Mbit/s) bis nächstes Jahr reiche bei weitem nicht aus. Dabei soll allein in der EU bis 2020 schon jeder zweite Verbraucher mit 100 Mbit/s schnellen Leitungen ausgestattet sein. Zudem muss die Politik der Studie zufolge die Ausbauaktivitäten besser koordinieren. Auch müsse sie Netzbetreiber wie die Telekom oder Vodafone und Dienstleister an einen Tisch bringen.

    In anderen Ländern besser

    Anders als in Deutschland wird der Studie zufolge in den meisten anderen Ländern seit langem in den Ausbau von Glasfasernetzen investiert. In Estland verfügten damit inzwischen 73 Prozent, in Schweden 56 Prozent, in Spanien 53 Prozent und in der Schweiz immer noch 27 Prozent der Haushalte über direkte Glasfaserverbindungen. In Deutschland dagegen seien es lediglich 6,6 Prozent der Haushalte. Im ländlichen Bereich liege die Abdeckung sogar nur bei 1,4 Prozent. "Ruckelnde Internet-Videos, stockende Uploads, ganze Gemeinden in ländlichen Regionen ohne Breitbandanschluss – all das ist immer noch digitale Realität in Deutschland", beklagte die Bertelsmann Stiftung. In einer OECD-Studie rangiert Deutschland bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen auf Rang 28 von 32 Ländern. (Reuters, 10.5.2017)

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