Vorwurf: Spotify soll Musikangebot auf Piraterie aufgebaut haben

10. Mai 2017, 09:34
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MP3s seien zum Teil direkt von Pirate Bay kopiert worden – Erste Version aus privaten Rips zusammengestellt

Streamingdienste wie Spotify oder Apple Music haben einen gehörigen Anteil daran, dass die Musikpiraterie in den letzten Jahren massiv abgenommen hat. Was dabei gerne übersehen wird, ist dass diese Services Anfangs alles andere als unumstritten waren, manche Industrievertreter sahen darin nur eine weitere, gut getarnte Form der Piraterie. Ein kommendes Buch könnten den Kritikern nun neuen Zündstoff geben.

Jede Quelle zählt

Spotify habe seinen Dienst auf kopierten MP3-Dateien aufgebaut, behauptet Rasmus Fleischer, eines der ersten Mitglieder des schwedischen Piratbyrån und damit auch rund um Pirate Bay aktiv gegenüber Torrentfreak. Die erste Version des Streamingservices sei aus MP3s, die die Angestellten auf ihren Rechnern hatten, zusammengestellt worden. Danach habe man offenbar weiter aktiv MP3s aus Tauschbörsen übernommen, besonders auffällig sei hierbei ein Vorfall, bei dem Spotify plötzlich das Album einer Band im Angebot hatte, die ihre Lieder exklusiv über Pirate Bay vertrieben haben, so Fleischer.

Parallelen

Überhaupt zeige die ganze Frühgeschichte von Spotify eine geradezu verblüffenden zeitliche Parallelität zum Prozess gegen Pirate Bay. Spotify habe die große mediale Aufmerksamkeit geschickt für sich genutzt, um mit einem – anfänglich – zweifelhaften, rein werbefinanzierten Geschäftsmodell ein großes Business aufzubauen.

Hintergrund

Gerüchte, dass sich Spotify in seiner Frühphase ausgiebig an Piratenseiten bedient hat, um sein Musikangebot aufzubauen, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. So berichteten frühe User der Spotify Beta von MP3-Dateien, die mit Szene-Tags versehen waren, also Hinweisen auf die jeweiligen Gruppen, die die Lieder kopiert hatten.

Weitere Details will Fleischer kommendes Jahr in einem neuen Buch mit dem Titel "Spotify Teardown – Inside the Black Box of Streaming Music" öffentlich machen. (red, 10.5.2017)

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    foto: dado ruvic / reuters
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