Israel: TV-Nachrichten auf Anweisung der Regierung kurzerhand abgedreht

10. Mai 2017, 09:19
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49 Jahre lang sendete die Rundfunkbehörde "Mabat laHadashot" – Am Dienstag lief die letzte Sendung

Jerusalem – 49 Jahre lang sendete die staatliche Israelische Rundfunkbehörde (IBA) die Nachrichtensendung "Mabat laHadashot", am Dienstagabend wurde sie zum letzten Mal ausgestrahlt. Die Mitarbeiter hätten von der Einstellung nur Stunden zuvor erfahren.

Zum Abschied sangen die Mitarbeiter die Nationalhymne, Moderatorin Geula Even gab sehr emotional das Ende bekannt.

Die früher gebührenpflichtige und heute staatlich finanzierte IBA (Israeli Broadcasting Authority) soll nach 49 Jahren von der neuen staatlich finanzierten "Kan" (hebräisch für: hier) abgelöst werden. "Kan" soll am Montag starten. Betroffen sind mehr als 1000 Mitarbeiter, ein Teil davon soll von Kan übernommen werden.

Die Schließung einer lang gedienten Rundfunkanstalt hat in Israel nach Streit in der Regierung auch für Erschütterung in der Bevölkerung gesorgt. Die Art der Schließung der Rundfunkanstalt sei "respektlos" gewesen, teilte ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Mittwoch mit. Diese Entscheidung sei nicht mit dem Wissen Netanyahus getroffen worden.

Monatelanger Streit

Im März hatte der Streit um die Rundfunkanstalt eine Koalitionskrise ausgelöst. Netanyahu sagte, nach erheblichen Kürzungen sei die alte Rundfunkanstalt billiger als die neue. Damit kündigte er eine vorherige Vereinbarung mit Finanzminister Moshe Kahlon von der Mitte-Rechts-Partei Kulanu auf. Der Streit um "Kan" lief über Monate. Gegner warfen Netanyahu vor, er wolle die Anstalt stoppen, weil er sie als zu regierungskritisch einstufe.

Kahlon und Netanyahu einigten sich unter anderem darauf, dass eine zusätzliche Einrichtung für Nachrichten geschaffen werden soll, die später startet. Am Mittwochabend wollte das Parlament über eine Änderung des entsprechenden Gesetzes abstimmen. (red, APA, 10.5.2017)

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