Trumps größter Fehler

Kommentar10. Mai 2017, 08:12
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Die Entlassung des FBI-Chefs kostet den Präsidenten in der Russland-Affäre weitere Glaubwürdigkeit

Als Richard Nixon im Oktober 1973 den Watergate-Sonderermittler Archibald Cox feuerte, war das der Anfang vom Ende seiner Präsidentschaft. Die Affäre rund um Donald Trumps Russland-Verbindungen ist mit Watergate (noch) nicht zu vergleichen. Aber die Entlassung von FBI-Chef James Comey könnte sich dennoch als größter Fehler seiner pannenreichen Präsidentschaft erweisen.

Denn Comey – obwohl von Barack Obama ernannt – ist nicht nur Republikaner. Er hat auch mehr oder weniger unbeabsichtigt durch seine Aussagen zu Hillary Clintons E-Mail-Affäre zu Trumps Wahlsieg beigetragen. Er galt als guter Manager und war unter seinen Mitarbeitern beliebt. Und FBI-Direktoren sind auf zehn Jahre ernannt und sollten über der Parteipolitik stehen.

Russland-Untersuchung stoppen

Comey jetzt zu feuern dient daher nur einem einzigen Zweck – die Untersuchungen der russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf und die Verwicklungen des Trump-Teams darin zu stoppen oder zumindest zu bremsen.

Doch das wird nicht gelingen. Republikanische Abgeordnete und Senatoren sind über den Schritt empört. Die Rufe nach einem Sonderermittler in der Russland-Affäre werden nun lauter werden. Wen immer Trump als Nachfolger vorschlägt, wird in den Anhörungen vor allem zu Russland befragt werden – und nach einer Bestätigung durch den Senat seine Unabhängigkeit beweisen müssen, indem er die Untersuchungen vorantreibt. Ein zu offensichtlicher Trump-Parteigänger wird wohl kaum bestätigt werden.

Was hat Trump zu verbergen?

Trump hat in einem für ihn typischen Zug nach seinem Instinkt gehandelt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Damit hat er den Eindruck verstärkt, dass er etwas zu verbergen hat. Seinen treuesten Anhängern ist das wohl gleichgültig. Aber für eine Mehrheit der Amerikaner verliert der Präsident damit wieder ein Stück Glaubwürdigkeit.

Und das ohnehin fragile Bündnis zwischen ihm und dem republikanischen Establishment wird damit noch etwas brüchiger. Das Szenario eines Impeachments, vor dem sich Trump so sehr fürchtet, ist nun realistischer und nicht unwahrscheinlicher geworden. (Eric Frey, 10.5.2017)

  • Trump hat in einem für ihn typischen Zug nach seinem Instinkt gehandelt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.
    foto: apa/afp/brendan smialowski

    Trump hat in einem für ihn typischen Zug nach seinem Instinkt gehandelt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

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