Trump löscht alte Presseaussendungen, Internetarchiv hilft aus

10. Mai 2017, 09:16
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"Muslim Ban" und Co von Website entfernt – mehrere Projekte erhalten gelöschte Inhalte von Politikerauftritten

Mit einer Reihe kontroverser Vorhaben und Versprechungen ist Donald Trump sowohl vor, als auch nach der US-Präsidentschaftswahl im vergangenen November aufgefallen. Beispielsweise kündigte er einen vorläufigen Einreisestopp für alle Muslime an oder versprach einen schnellen Ersatz für die nach seiner Ansicht nach gescheiterte Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama.

Nachzulesen waren diese bisher auch auf seiner offiziellen Homepage, wo das Trump-Team die Presseaussendungen bereitgestellt hatte. Doch nun sind sämtliche Meldungen gelöscht worden.

Das Archiv als Beweismittel

Das ist durchaus von Relevanz, lassen sich über diese Aussendungen doch gegebenenfalls Widersprüche und gebrochene Versprechen, als auch eingehaltene Ankündigungen nachweisen. So hatte die US-Regierung etwa beim zwei Mal gescheiterten Versuch, Bürgern aus einer Reihe von Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit die Einreise massiv zu erschweren, stets bestritten, dass ihr Vorgehen einen islamfeindlichen Hintergrund habe.

Auch aus einer Alternative für "Obamacare" ist bisher nichts geworden, obwohl Trump diese einst sogar für Tag 1 seiner Amtszeit angekündigt hatte. Erst drei Monate wollte man einen Entwurf zur Abstimmung vorlegen, zog diesen aber kurzfristig zurück, da ein Scheitern im Kongress abzusehen war. Eine zweite Fassung hat mittlerweile eine knappe Mehrheit erhalten, muss aber noch den Senat passieren.

Sämtliche Pressemeldungen noch erhalten

Die Gefahr, dass man künftig Dinge, wie den derzeit ebenfalls auf unbestimmte Zeit verschobenen Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze, nicht mehr Schwarz auf Weiß nachweisen kann, besteht allerdings nicht. Denn das Internet vergisst bekanntlich nie. Die "Wayback Machine" des Netzarchivs Archive.org hat sämtliche Trump-Aussendungen für die Nachwelt erhalten.

Der Dienst sucht Webseiten automatisch ab und legt Kopien mit Datumseintrag an. Populärere Seiten werden dabei öfters von den Crawlern des Dienstes frequentiert. Neben Onlineauftritten bietet man mittlerweile auch eine umfassende Sammlung alter Videogames an, die sich im Browser spielen lassen.

Mehrere Archivierungsprojekte

Das Internet Archive ist nicht das einzige Portal, das Inhalte archiviert. Die Seite Memory Hole hat sich etwa dem "investigativen Archivismus" verschrieben und vor einigen Tagen ebenfalls eine Reihe von Inhalten veröffentlicht, die von Trump oder seinen Mitarbeitern gelöscht wurden. Zu finden ist dort etwa ein Sujet zu seiner Amtseinführung mit Rechtschreibfehler, das erste Logo seiner Wahlkampagne oder eine Reihe von mittlerweile entfernten Twitter-Botschaften.

Eine laufende Sammlung entfernter Tweets, sowohl von Trump als auch von zahlreichen anderen Politikern der Republikaner und Demokraten, bietet auch das Projekt "Politwoops" von Pro Publica. Auch von der Website der Umweltbehörde EPA, von der zuletzt Informationen über den Klimawandel entfernt wurden, gibt es eine "Sicherungskopie" in Form des "EPA Archive". (gpi, 10.05.2017)

  • Sämtliche Pressemeldungen von Trumps Homepage wurden vom Internet Archive gespeichert.
    foto: apa/afp/brendan smialowski

    Sämtliche Pressemeldungen von Trumps Homepage wurden vom Internet Archive gespeichert.

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