Illegale Jagd macht dem Kaiseradler schwer zu schaffen

12. Mai 2017, 07:00
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Trotz stenger Schutzmaßnahmen wird der Kaiseradler immer wieder Opfer von Giftködern und Abschüssen. Experten wollen die Aufklärungsrate erhöhen

Wien – Fast 200 Jahre lang galt der Kaiseradler in Österreich als ausgestorben – seit einiger Zeit ist er wieder da, aber immer noch einer der seltensten Greifvögel unseres Landes. Ein kürzlich angelaufenes Schutzprojekt soll sicherstellen, dass sich der Bestand nicht durch menschliche Verfolgung verringert.

Der Kaiseradler (Aquila heliaca) ist im Sitzen 70 bis 80 Zentimeter hoch und weist eine Flügelspannweite von 1,80 bis 2,10 Meter auf, womit er nach dem Seeadler und dem Steinadler zu den größten heimischen Greifvögeln zählt.

Vom sehr ähnlichen Steinadler unterscheidet sich der erwachsene Kaiseradler vor allem durch weiße Schulterflecken und eine helle Hinterkopf-Nacken-Partie im sonst fast einfarbig schwarz-braunen Gefieder. Während der Steinadler jedoch vorwiegend im Gebirge anzutreffen ist, bevorzugt der Kaiseradler die Niederungen Ostösterreichs, wo er ursprünglich Ziesel und Hamster und heute vor allem Tauben, Krähen und Fasane jagt.

Steppenbewohner

Das Verbreitungsgebiet der Art reicht vom südöstlichen Mittelmeer bis zum Baikalsee, wobei sie in Ostösterreich, Tschechien und der Slowakei ihre nordwestliche Grenze erreicht. Insgesamt ist ihr Vorkommen aber stark zersplittert, obwohl sich die ursprünglichen Steppenbewohner mittlerweile auch mit landwirtschaftlich genutzten Flächen angefreundet haben. Der Bestand in Europa wird auf 1000 bis 1600 Brutpaare geschätzt.

Den Kaiseradler verbindet eine wechselvolle Geschichte mit dem Menschen: Ursprünglich profitierte er von dessen landwirtschaftlicher Tätigkeit, die ihm mehr offenes Land bescherte. Im 20. Jahrhundert jedoch ging sein Bestand vor allem in Südosteuropa dramatisch zurück: So verzeichnete Ungarn in den 1980er-Jahren nur noch rund 15 Brutpaare, die Slowakei zwölf, und in Griechenland dürfte die Art mittlerweile ausgestorben sein. Ursache dafür war vor allem die großflächige Ausbringung von Giftködern zur Ausrottung von Beutegreifern wie dem Wolf, aber auch direkte Bejagung.

Schutzprogramme haben dazu geführt, dass sich der Kaiseradler vielerorts deutlich erholt hat: Anfang des 21. Jahrhunderts gab es in Ungarn wieder rund 60 Paare und in der Slowakei etwa 40. 1998 wurde Tschechien wieder besiedelt, und ein Jahr später gab es das erste Brutpaar im Burgenland. Es folgten weitere Brutpaare im Burgenland und in den Marchauen, und 2011 gab es erstmals seit 200 Jahren wieder eine Brut in den Donauauen östlich von Wien.

Gift und Abschuss

Seitdem breitet sich die Art langsam nach Westen aus. Die Vogel- und Naturschutzorganisation Birdlife, die den Bestand der Kaiseradler seit Jahren erhebt, zählte im vergangenen Jahr 13 Brutpaare in Niederösterreich und fünf im Burgenland, die insgesamt 31 Jungvögel hervorbrachten.

Seit 2011 rüstet Birdlife auch regelmäßig Jungvögel mit Sendern aus, um mehr über die Lebensumstände der Vögel zu erfahren. Dabei zeigte sich, dass sie nach wie vor häufig Opfer von Verfolgung werden: "Von den 16 Exemplaren, die wir in den letzten Jahren besendert haben, sind nur noch fünf am Leben", zieht Greifvogelexperte Matthias Schmidt Bilanz, "und rund die Hälfte davon ist sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Gift oder Abschuss gestorben."

Die Ursache für die Verfolgung sieht Schmidt darin, dass die Greife oft als Jagdkonkurrenten gesehen und für den Rückgang der Niederwildbestände verantwortlich gemacht würden, obwohl dieser vor allem durch den Wandel der Kulturlandschaft und intensive Landwirtschaft bedingt sei. "Solange diese veralteten Sichtweisen selbst von hochrangigen Vertretern der Jagd – wie etwa kürzlich von Landesjägermeister Josef Pröll – öffentlich verbreitet werden, wird die illegale Verfolgung nicht aufhören. Es wäre höchste Zeit, hier umzudenken und den Tieren ihren angestammten Raum in der Natur zuzusprechen", fordert der Greifvogelexperte.

Meldestelle für Giftfallen

Der WWF Österreich betreibt bereits seit 1999 das Projekt "Vorsicht Gift!", in dessen Rahmen vergiftete Greifvögel und Giftköder gemeldet werden können. Die dabei eingerichtete Hotline verzeichnete Erfolge, doch "die Verfolgung scheint aktuell wieder in Mode zu kommen", resümiert Schmidt.

Um die Greife besser vor Gift und illegaler Jagd zu schützen, haben Birdlife und der WWF Österreich deshalb mit finanzieller Unterstützung des Lebensministeriums das EU-Life-Projekt "PannonEagle" ins Leben gerufen. Insgesamt elf Organisationen aus Ungarn, Tschechien, Serbien und Österreich nehmen daran teil. Auf der Webseite www.kaiseradler.at steht dabei eine Meldeplattform zur Verfügung, auf der man tote oder verletzte Greifvögel, Giftköder und Fallen melden kann – auch anonym.

Damit soll einerseits das Bewusstsein für die Problematik und andererseits die Aufklärungsrate bei Abschüssen und Vergiftungen erhöht werden. Dazu will man auch die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft weiter verbessern, die mit dem Thema oft wenig vertraut ist. "Da werden viele Steuergelder in den Schutz investiert", gibt Schmidt zu bedenken, "und viele Leute sind stolz auf die Wiederansiedlung der Vögel, und dann kommen einige Einzelne und machen das zunichte. Das ist kein Kavaliersdelikt." (Susanne Strnadl, 12.5.2017)

  • Der Kaiseradler lebt in den Niederungen Ostösterreichs. Der Greifvogel wird immer noch als Jagdkonkurrent angesehen – wodurch seine Bestände stark gefährdet sind.
    foto: katzinger

    Der Kaiseradler lebt in den Niederungen Ostösterreichs. Der Greifvogel wird immer noch als Jagdkonkurrent angesehen – wodurch seine Bestände stark gefährdet sind.

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