Der Becher weiß, wie viel Oma trinkt

13. Mai 2017, 13:00
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Vernetzte Trinkhilfe soll älteren Menschen helfen, jeden Tag genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen

Wien – Im Alter nimmt das Hunger- und Durstgefühl ab. Eine ganze Reihe von Veränderungen im Magen-Darm-Trakt, im Hormonhaushalt des Körpers und in der Geschmackswahrnehmung, aber auch soziale Faktoren sind dafür verantwortlich. Ein Flüssigkeitsmangel, den ein junger Körper gut verträgt, kann bei älteren und vielleicht ohnehin bereits gesundheitlich angeschlagenen Menschen schnell zu Problemen führen – von Verwirrung und Desorientiertheit bis zu Hautschäden, Infektionen und vielen weiteren Symptomen.

"In der Pflege kennt man die Herausforderung seit vielen Jahren. Gerade wenn die älteren Menschen noch allein leben, kann kaum sichergestellt werden, dass sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen", sagt Elisabeth Haslinger-Baumann von der FH Campus Wien. Gemeinsam mit FH-Kollegen aus den Departments Pflegewissenschaft, Gesundheitswissenschaft und Technik arbeitet die Forscherin an einer praktikablen technologischen Hilfe für das Trinkproblem.

Im Projekt "Drink Smart", das vom Verkehrsministerium und von der Förderagentur FFG unterstützt wird, soll gemeinsam mit Wirtschaftspartnern ein elektronisch vernetzter Trinkbecher entwickelt werden. Ältere Menschen sollen ihn benutzen, damit sie sicher sein können, dass sie über den Tag verteilt genug Flüssigkeit zu sich nehmen.

"In erster Linie geht es darum, die Autonomie der Klienten zu fördern", sagt Haslinger-Baumann. Pflegeleistungen könnten damit nicht ersetzt werden. Aber es soll eine zusätzliche Option geboten werden, die sich in den Alltag der Menschen gut einfügen lässt. Wenn der Körper den Flüssigkeitsbedarf nicht mehr über das Durstgefühl meldet, soll der Becher ans Trinken erinnern. Am Beginn des Projekts stand eine Nutzererhebung, bei der man Klienten, Pflegepersonal und Angehörige sowie Unternehmen, die in der Hauskrankenpflege tätig sind, systematisch einbezog, um herauszufinden, was konkret in der Praxis gebraucht wird. Das Trinksystem soll direkt in der Umgebung des Klienten optische und akustische Signale aussenden, um an die Flüssigkeitsaufnahme zu erinnern.

Individuell konfigurierbar

Bei Einwilligung der Klienten sollen die Daten über die Menge der getrunkenen Flüssigkeit online an eine Pflegedokumentation übermittelt werden können. Und das System soll individuell konfigurierbar sein: "Es muss einstellbar sein, ob eine Person 400 oder 1300 Milliliter trinken muss", sagt Haslinger-Baumann. Um von den künftigen Nutzern akzeptiert zu werden, soll die Trinkhilfe ansprechend designt, handlich und leicht zu reinigen sein. Wichtig sei zudem, dass das Hilfsmittel nicht mit Krankheit oder Abhängigkeit assoziiert werden darf.

In der nun laufenden zweiten Phase soll bis Herbst 2018 ein Prototyp entstehen. Genaues Design und Funktionsweise stehen noch nicht fest. Die Technologie könnte in einer Halterung Platz finden, die einen handelsüblichen Becher aufnimmt. Mehrere Sensoren, die etwa die Neigung des Bechers im Gebrauch messen, sollen Daten zum Trinkverhalten erfassen.

Neben einer frei konfigurierbaren akustischen Erinnerung könnte mit der getrunkenen Flüssigkeitsmenge ein Pflänzchen auf einem Display wachsen, um optisches Feedback zu geben. "Es ist wichtig, dass die Nutzer den Trinkbecher als Gewinn für ihren Alltag wahrnehmen", so Haslinger-Baumann. (pum, 13.5.2017)


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