US-Kriegsschiff und General Winter stören Paraden in Russland

9. Mai 2017, 19:36
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Die Truppenschau in Moskau sollte ein Signal der Stärke in die Welt senden. Nur das Wetter war Putins Truppen nicht eben hold

Moskau – Mit großem Aufwand hat Russland den wohl wichtigsten Feiertag des Landes, den "Tag des Sieges", begangen. Mehrere Faktoren störten am Dienstag allerdings die traditionellen Militärparaden.

Russland begeht im Unterschied zu Westeuropa das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht am 8., sondern am 9. Mai. Grund dafür ist die Zeitverschiebung: Als in Berlin am 8. Mai um 23.30 Uhr die Kapitulation unterzeichnet wurde, war in Moskau bereits der 9. Mai angebrochen, der seither als "Tag des Sieges" begangen wird. Die bekannten und vom russischen Fernsehen live übertragenen waffenklirrenden Militärparaden gibt es allerdings erst seit der Breschnew-Ära.

Präsident Wladimir Putin beglückwünschte seine Landsleute in einer Ansprache auf dem Roten Platz zum Sieg und erinnerte zugleich an die vielen Opfer, die der Krieg gekostet hatte. Während er als eine Kriegsursache ausdrücklich die Isoliertheit der Großmächte nannte, erwähnte er die Rolle der Anti-Hitler-Koalition im Krieg dann nicht und beanspruchte den Sieg weitgehend für Moskau allein: "Den langersehnten Frieden auf der Welt haben namentlich unsere Väter, Großväter und Urgroßväter erkämpft", sagte er.

Russische Soldaten seien auch heute "zu jeder Heldentat, zu jedem Opfer für ihre Heimat und ihr Volk bereit", schickte er zudem als Warnung ans Ausland. Gleichzeitig betonte er Russlands Bereitschaft, mit anderen Ländern im Kampf gegen den Terror zusammenzuarbeiten und am Aufbau eines globalen Sicherheitssystems mitzuwirken.

Demonstration der Stärke

Auf der anschließenden Militärparade, der größten von insgesamt 28 im Land, demonstrierte die russische Führung dann einmal mehr ihre militärische Stärke: Gut 10.000 Soldaten und mehr als 100 gepanzerte Fahrzeuge ratterten über den Roten Platz, darunter erstmals auch weißgetünchte Flugabwehrsysteme der Arktis-Streitkräfte und Kadetten der "Jungarmee", einer 2015 gebildeten Bewegung zum militärischen Drill von Schulkindern.

Ein Showelement der Parade fehlte heuer allerdings aus wettertechnischen Gründen: Kurz vor dem "Tag des Sieges" startete General Winter im europäischen Teil Russlands eine letzte Offensive. Die Temperaturen fielen in der Nacht im Moskauer Raum auf Werte um den Gefrierpunkt. Schneeregen und Glätte riefen bereits am Montag lange Staus rund um die Hauptstadt hervor. Die dichte Wolkendecke verhinderte bei der Parade dann auch den Einsatz der bereitstehenden Luftwaffe.

Der Versuch, am Vorabend die Wolkendecke mithilfe von Chemikalien aufzulösen, schlug fehl. Somit fiel die geplante Avia-Show aus – erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Moskauer Militärparaden. Davor konnten lediglich 1945 (bei der Premiere fand die Parade im Juni statt) die Flieger wegen des schlechten Wetters nicht starten.

Einziger Staatsgast war ein Moldauer

Einziger ausländischer Staatschef bei der Zeremonie war der moldauische Präsident Igor Dodon, der nach seinem Wahlsieg im Herbst eine Annäherung der GUS-Republik an Russland versprochen hatte. Gemeinsam mit Putin legte Dodon anschließend an der Kremlmauer einen Kranz am Grab des unbekannten Soldaten nieder.

Auch in St. Petersburg verlief die Parade nicht ganz nach Plan. Dort konnten die Flugzeuge zwar aufsteigen, dafür fiel die geplante Flottenparade ins Wasser: Medienangaben zufolge ist der amerikanische Zerstörer USS Carney daran schuld, der sich derzeit in der Danziger Bucht in der östlichen Ostsee aufhält. Seine Nähe hat die russische Flotte in Alarmbereitschaft versetzt. Mehrere eigentlich zur Petersburger Parade abkommandierte Schiffe der russischen Ostseeflotte wurden wieder zurückbeordert, um die USS Carney unter Beobachtung zu halten. Offiziell hat das Militär dazu keinen Kommentar abgegeben. (André Ballin aus Moskau, 9.5.2017)

  • Im Gleichschritt marschiert wird in Moskau.
    foto: yuri kochetkov/pool photo via ap

    Im Gleichschritt marschiert wird in Moskau.

  • Panzer rattern durch das Stadtzentrum.
    foto: afp photo / natalia kolesnikova

    Panzer rattern durch das Stadtzentrum.

  • Russlands Präsident Putin unter den Applaudierenden.
    foto: afp photo / kirill kudryavtsev

    Russlands Präsident Putin unter den Applaudierenden.

  • Luftabwehrsystem Tor-M2DT
    foto: reuters/sergei karpukhin

    Luftabwehrsystem Tor-M2DT

  • Interkontinentalraketenabschussfahrzeug Yars RS-24
    foto: apa/afp/natalia kolesnikova

    Interkontinentalraketenabschussfahrzeug Yars RS-24

  • Der neue Kampfpanzer "Armata" blieb diesmal nicht stehen.
    foto: ap/alexander zemlianichenko

    Der neue Kampfpanzer "Armata" blieb diesmal nicht stehen.

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