HIV-Tests für den Hausgebrauch geplant

9. Mai 2017, 13:42
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Schnelltests wären laut Gesundheitsministerium "Möglichkeit zum niederschwelligen Zugang". Auch Deutschland prüft Zulassung

Berlin/Wien – In Deutschland könnten HIV-Tests für zu Hause bald legal sein. In Europa gebe es seit kurzer Zeit Schnelltests, die wesentlich genauer und einfacher zu handhaben seien als frühere Tests, heißt es von Seiten des deutschen Gesundheitsministeriums. Auch das österreichische Ministerium wertet HIV-Schnelltests als "eine Möglichkeit zum "niederschwelligen Zugang".

Die Zahl der HIV-Infektionen in Österreich sei zwar laut einer Stellungnahme aus dem Gesundheitsministerium leicht rückläufig. Man sehe es aber weiterhin als Aufgabe, aufzuklären und zu informieren, sodass auch die Zahl der nicht diagnostizierten HIV-positiven Menschen sinkt.

Medizinisch sichere Produkte

"Daher ist es in unserem Interesse, das Thema zu enttabuisieren und einen niederschwelligen Zugang zu Tests zu ermöglichen, wie es etwa über die Aids Hilfe möglich ist, die seit Jahrzehnten kostenlose und anonyme Tests anbieten. Eine andere Möglichkeit könnten auch die HIV-Schnelltests sein, solange es sich um medizinisch sichere Produkte handelt. Es gibt bereits Anbieter, die Interesse hätten mit HIV-Schnelltests auf den Markt zu kommen."

In Deutschland ist die Zulassung für den Hausgebrauch noch in der Planung: Aktuell prüfe das Ministerium, ob die neuen Schnelltests zu einer Änderung der bisherigen Bewertung führen können. In Österreich ist die derzeitige Rechtslage ähnlich wie in Deutschland: HIV-Tests dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht in einer medizinischen Einrichtung durchgeführt werden. In Großbritannien und Frankreich sind sie hingegen auch für den Hausgebrauch legal.

Allgemein gilt: Ist das Ergebnis im Screeningtest positiv, so ist ein weiterer Test in einem Speziallabor zu Bestätigung der HIV-Infektion notwendig, da auch die Möglichkeit eines falsch positiven Testergebnisses besteht – etwa durch eine andere Infektion. 2016 gab es 447 dokumentierte HIV-Neuinfektionen in Österreich, wie aus den Anfang Februar über Facebook publizierten Zahlen der Aids Hilfe Wien hervorging. 2011 waren es noch 525 und 2012 wurden 523 Neuinfektionen diagnostiziert.

Seit 20 Jahren kein Todesurteil mehr

Die neuen Tests, die bereits seit 2015 in Großbritannien und seit 2016 in Frankreich in Apotheken für rund 25 Euro verkauft werden, funktionieren wie ein Blutzucker-Check bei Diabetikern. Nach einem kleinen Stich in den Finger wird der Blutstropfen auf ein Stäbchen aufgetragen. Nach kurzer Zeit wird das Ergebnis an der Linienform ersichtlich. Bei zwei Linien liegt eine HIV-Infektion vor.

"In Frankreich sind 2016 bereits rund 145.000 Stück verkauft worden", berichtete Test-Experte Michael Tappe von der deutschen Aids-Hilfe. Studien aus Australien, wo es den Selbsttest schon seit mehreren Jahren zu kaufen gebe, zeigten Erfolge: "Den haben viele Menschen gekauft, die sonst nicht zum Arzt gegangen wären". Als Hilfsangebot hält Tappe es für sinnvoll, seriöse Beratungsnummern direkt mit auf die Testpackungen zu drucken. Seit 20 Jahren ist die Diagnose kein Todesurteil mehr. Medikamente können verhindern, dass Aids ausbricht. (APA, 9.5.2017)

  • HIV-positiv: Seit 20 Jahren ist die Diagnose kein Todesurteil mehr. Medikamente können verhindern, dass Aids ausbricht.
    foto: ap photo/alvaro barrientos

    HIV-positiv: Seit 20 Jahren ist die Diagnose kein Todesurteil mehr. Medikamente können verhindern, dass Aids ausbricht.

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