SVA im Baufieber: Millionen für Immobilien

9. Mai 2017, 12:05
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Die Sozialversicherungsanstalt in Wien-Wieden wird generalsaniert. Die SPÖ fürchtet, dass Rücklagen in Häuser fließen anstatt in Leistungen für Versicherte

Wien – Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft rüstet sich für eine große Welle an Investitionen. Allerdings nicht in ihre Versicherten, sondern in ihre Immobilien. Die Zentrale der SVA in der Wiener Wiedner Hauptstraße wird generalsaniert, erfuhr der STANDARD. Die Kosten für den Umbau und teilweisen Neubau sollen dem Vernehmen nach bei 32 Millionen Euro liegen. Renommierte Architekturbüros sind bereits eifrig am Planen. Das in die Jahre gekommene Areal in zentraler Lage steht im Eigentum der SVA.

Deren Sprecherin Daniela Klinser bestätigt das Vorhaben – verweist aber auf noch laufende Ausschreibungs- und Vergabeverfahren. Sie sollten bis Jahresende abgeschlossen sein. Über Details wie die Kosten könne man daher noch keine Auskunft geben. Das in den 1970er-Jahren errichtete Gebäude sei jedenfalls nicht mehr auf dem aktuellen technischen Stand. An Baumaßnahmen führe kein Weg vorbei, zumal ja auch der Wert der Immobilie erhalten werden müsse.

Eine Baustelle von vielen

Die neue Großbaustelle der SVA ist nicht ihre einzige: In Graz wird gerade die Landesstelle generalsaniert. Der Spatenstich dafür war im Februar. Die Höhe der Investition sei vertraulich, hieß es bei der Ankündigung: Da die Fassade unter Denkmalschutz steht, sei das Ganze natürlich nicht ganz billig.

In Wien-Erdberg siedeln in Bälde 350 Mitarbeiter des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger um, weil auch dieser Standort von Grund auf saniert wird. Losgehen soll es Anfang 2018. Genehmigte Kosten: 25 Millionen Euro. Darin nicht eingerechnet sind die Ausstattung und der Aufwand für ein Ausweichquartier. Der Hauptverband mietet sich derweil nämlich an der Erdberger Lände in der einstigen Siemens-Zentrale ein.

Bereits über die Bühne ging im Jänner der Umzug der Landesstelle Niederösterreich der SVA von Wien-Margareten nach St. Pölten.

Als Favorit um den Großauftrag Wien-Wieden wird das Architekturbüro BEHF gehandelt, erzählen Involvierte. Die Referenzliste der Gruppe reicht von Boutiquehotels über Shops für Wein & Co, Manner und A1 bis zum Business-Center für die Signa am Hauptbahnhof. Auch Wiener Nobellokale wie Fabios und Motto am Fluss tragen ihre Handschrift. BEFH selbst weist jeden Konnex zum SVA-Projekt zurück. "Dazu liegen uns keine Informationen vor."

"Kein Hotel"

Christoph Matznetter, SP-Wirtschaftssprecher, sieht den aktuellen Bauboom bei der SVA äußerst kritisch: "Die SVA investiert hier Geld in die eigenen Häuser: Rücklagen, die nicht mehr für Leistungen für ihre Versicherten zur Verfügung stehen." Erst jüngst kürzte die Sozialversicherung drastisch die freiwillige Zusatzkrankenversicherung für Selbstständige. Heftiges Tauziehen gibt es derzeit um die Finanzierung der von der Regierung geplanten besseren Absicherung von Kleinunternehmern im Krankheitsfall: Die SVA verwehrt sich hier gegen den Zugriff auf ihre Reserven, sie befürchtet Verluste in ihren Bilanzen. Er frage sich, ob hinter der "Immobilisierung von Vermögen" der SVA nicht auch Strategie stecke, meint Matznetter und erwartet sich einen genauen Blick der Aufsichtsbehörde auf die Projekte. Bei der Generalsanierung ihrer Häuser sei Bescheidenheit angebracht. "Die SVA ist kein Hotel." (Verena Kainrath, 9.5.2017)

  • In Beton gegossene Erinnerung an die 70er-Jahre: Die SVA in Wien-Wieden
    hans punz

    In Beton gegossene Erinnerung an die 70er-Jahre: Die SVA in Wien-Wieden

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