Welthöchste Mordrate: Prüfung der Strafbarkeit Jugendlicher in Honduras

9. Mai 2017, 11:27
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Minderjährige sind in fast 40 Prozent der schweren Verbrechen des Landes verwickelt

Tegucigalpa – Wegen der extrem hohen Kriminalitätsrate im Land lässt der Staatschef von Honduras, Juan Orlando Hernandez, eine Senkung des Strafmündigkeitsalters prüfen. Grund dafür ist der hohe Anteil von Verbrechen durch Jugendliche. "In fast 40 Prozent der schweren Verbrechen sind Minderjährige verwickelt", sagte Hernandez am Montag (Ortszeit) in der Hauptstadt Tegucigalpa. "Das ist alarmierend."

Bisher dürfen in Honduras nur Volljährige für Straftaten belangt werden. Minderjährige werden nur "Fehverhalten" zur Last gelegt, die eher mit Jugendhaftstrafen als mit Gefängnis geahndet werden.

Reformierung der Haftanstalten

Die Regierung will nun ein Gremium aus Juristen und Soziologen prüfen lassen, ob Minderjährige bei schweren Verbrechen juristisch so behandelt werden können wie Erwachsene. Außerdem sollen die Experten prüfen, ob die Haftanstalten im Land reformiert werden müssen, um eine Wiedereingliederung von verurteilten Straftätern in die Gesellschaft zu erleichtern. Ab welchem Alter Jugendliche künftig hart bestraft werden könnten, sagte Hernandez nicht.

Honduras hat laut UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) die höchste Rate vorsätzlicher Tötungsdelikte weltweit. In dem zentralamerikanischen Land kommen auf 100.000 Einwohner 84,6 Morde (jüngste Zahlen von 2014), an zweiter Stelle liegt das Nachbarland El Salvador mit einem bereits deutlich niedrigeren Wert von 64,2. Der globale Durchschnitt beträgt laut UNODC 6,2 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner. Österreich liegt mit einer Quote von 0,5 auf Rang neun von 218 berücksichtigten Nationen und Territorien – ohne Mikronationen und Kleinstaaten auf Rang fünf. Bei annähernd gleicher Einwohnerzahl werden in Honduras jedes Jahr mehr als 7.500 Menschen getötet, in Österreich rund 40. (APA, AFP, 9.5.2017)

  • Einer von jährlich mehr als 7.500 Tötungsdelikten in Honduras.
    foto: reuters/jorge cabrera

    Einer von jährlich mehr als 7.500 Tötungsdelikten in Honduras.

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