Millionenverlust: AT&S rechnet mit Durststrecke in China

8. Mai 2017, 18:39
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Der Leiterplattenhersteller hat die Marktdynamik überschätzt und einen Verlust eingefahren. Das Kerngeschäft ist profitabel

Wien/Leoben – Mit der neuen Technologie zu früh auf den Markt gekommen? "Nein", sagt AT&S-Vorstandschef Andreas Gerstenmayer bei der Bilanzpräsentation am Dienstag. "Zu früh waren wir nicht. Die Produktzyklen sind länger geworden. Unsere Kunden fahren noch mit alten Technologien, die seit eineinhalb Jahren ersetzt werden sollten."

Bei der neuen Technologie, die der Leiterplattenbauer aus Leoben für eine Art Eintrittskarte in die Zukunft hält, handelt es sich um sogenannte IC-Substrate. Diese stellen die Verbindungsplattform zwischen Halbleiter (Chips) und Leiterplatten dar, sie "übersetzen" sozusagen die Nano-Strukturen des Chips auf die Leiterplatte (Mikrometer-Strukturen) und kommen bei Mikroprozessoren insbesondere für Computer zum Einsatz.

Es ist gerade die vergleichsweise schleppende Nachfrage nach diesen Substraten, die die Preise unter Druck und die AT&S-Bilanz ins Rutschen brachte. Außer AT&S beherrschen diese Technologie noch drei Unternehmen in Japan, Korea und Taiwan. Erstmals seit dem Geschäftsjahr 2009/10 (per Ende März) ist das Konzernjahresergebnis des Leiterplattenbauers mit 22,9 Millionen Euro wieder tiefrot. Im Jahr davor gab es noch einen Gewinn von knapp 56 Millionen Euro.

Aufbau von Geschäften

Einen gravierenden Unterschied zum Verlustjahr 2009/10 sieht Gerstenmayer dennoch: "Damals haben wir in Leoben/Hinterberg restrukturiert, das Mobilgeschäft nach China transferiert; jetzt bauen wir Geschäft auf."

Mit Verlusten habe man gerechnet, das Ausmaß sei etwas höher als erwartet, sagte Gerstenmayer. Probleme beim Hochfahren der Produktion am Standort Chongqing in Zentralchina, wo neben IC-Substraten auch substratähnliche Leiterplatten gebaut werden, seien mitverantwortlich für die höheren Verluste. Zudem sei der Output im Werk Schanghai durch Implementierung einer neuen Technologie (mSAP für mobile Endgeräte) geringer gewesen als im Jahr davor. Gerstenmayer: "Wir hatten Fixkosten, aber noch keine Erträge."

Dennoch ist der AT&S-Chef von der Richtigkeit des Weges überzeugt: "Wer nicht auf innovative Technologien setzt, verliert den Markt." Ob man bereits heuer den Weg zurück in die schwarzen Zahlen schaffe, ließ Gerstenmayer offen: "Das hängt von einem Mix an Dingen ab." Höhere Abschreibungen für hauptsächlich neue Produktlinien in Höhe von rund 25 Millionen Euro würden heuer noch auf das Ergebnis drücken.

Unter Druck

Der Preisdruck bei IC-Substraten dürfte aller Voraussicht nach noch länger anhalten. Für das laufende Geschäftsjahr rechne man mit einer Ebitda-Marge von 16 bis 18 Prozent – nach einer von 22 auf 16,1 Prozent gesunkenen Gesamtprofitabilität im Vorjahr. Im kommenden Geschäftsjahr 2018/19 soll die Ebitda-Marge zwischen 18 und 20 Prozent zu liegen kommen. "Das ist noch immer nicht, wo wir hinwollen, aber ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Gerstenmayer.

Einen Rekordwert konnte AT&S dennoch vermelden: Der Konzernumsatz ist im Vorjahr um 6,8 Prozent auf 814,9 Millionen Euro gestiegen. Damit sei man deutlich über Markt gewachsen. Heuer wird eine Beschleunigung des Umsatzwachstums dank absehbarer Mehrproduktion in Chongqing um zehn bis 16 Prozent gerechnet. Die Zahl der Mitarbeiter hat mit 9526 ebenfalls einen Höchststand erreicht. Rund 1300 davon sind in Österreich beschäftigt.

Dividendenfrage

Die Entscheidung über die Dividende für 2016/17 wird in der Hauptversammlung im Juni fallen. Die Androsch Privatstiftung ist mit 16,3 Prozent an AT&S beteiligt, die Privatstiftung von Willibald Dörflinger hält 17,8 Prozent. Der Rest der Aktien ist zur Hälfte bei verschiedenen institutionellen Investoren untergebracht, die andere Hälfte befindet sich im privaten Streubesitz. (stro, 9.5.2017)

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