Selbstfüllende Wasserflasche: Vorwürfe gegen Wiener Start-up

    9. Mai 2017, 09:56
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    Fontus sammelte rund 345.000 Dollar und eine Förderung des AWS. Laut Kritikern kann dessen Konzept nicht funktionieren

    Radeln in der Natur, ohne sich Sorgen um seine Wasserreserven zu machen: Das versprach das Wiener Start-up Fontus mit seiner selbstfüllenden Wasserflasche Ryde. Während des Radfahrens soll aus der natürlichen Luftfeuchtigkeit frisches Wasser gewonnen werden. Die Kühlkomponenten sollen mit einem Solarpaneel betrieben werden.

    Ähnlich war das Konzept hinter Airo, einem weiteren Fontus-Produkt, bei dem das Solarpaneel auf dem Rucksack angebracht wird. Bei optimalen Bedingungen – also einer enorm hohen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius – sollen die beiden Flaschen in zwei Stunden zwischen 0,5 und einem Liter Wasser "produziert" haben.

    fontus

    Das Konzept sorgte für Furore: Auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo konnte das Unternehmen 345.000 Dollar sammeln. Außerdem erhielt Fontus eine Förderung durch des staatlichen Austria Wirtschaftsservice (AWS).

    Allerdings mehren sich mittlerweile die Stimmen der Kritiker. Knackpunkt ist das Solarpaneel, das die Luft kühlt. Das Grundprinzip hinter den beiden selbstfüllenden Flaschen wird nicht bestritten: Dass bei abkühlender Luft Wasser entsteht, hat jeder schon einmal selbst beobachtet – etwa im Sommer an gekühlten Trinkflaschen.

    Solarpaneele im Fokus

    Um die von Fontus auf Indiegogo angegebenen Wassermengen zu erreichen, ist jedoch eine starke Kühlung nötig. Die braucht aber Strom – den die Solarpaneele in der im Konzept angegebenen Größe laut Kritikern unmöglich erzeugen können. Besonders scharf wird die Idee von Fontus in einem Debunking-Video des EEV-Blog angezweifelt. Nach dessen Berechnungen müsste das Solarpaneel rund 1,5 Quadratmeter groß sein, um die angegebenen Wassermengen produzieren zu können. Mit einem Paneel in dieser Größe wäre Wandern oder Radfahren nahezu unmöglich.

    eevblog

    Fontus-Gründer Kristof Retezár gibt im Gespräch mit dem STANDARD an, dass "die auf Indiegogo präsentierten Konzeptbilder eindeutig der Erklärung der Idee" dienen und "keinesfalls technische Details darstellen". Laut Retezár war das Hauptziel bei diesem Projekt, eine Alternative zur Wasserversorgung zu kreieren. Man wollte "den Grenzen der Machbarkeit so nahe kommen wie nur möglich".

    "Flexibel gestaltet"

    Nach dieser laut Fontus-Gründer "intensiven Zeit technischer Entwicklung" solle bald "das Endergebnis" präsentiert werden. "Natürlich wird es immer Abweichungen zwischen einem Konzept und dem tatsächlich umsetzbaren Produkt geben", erklärt Retezár. So soll die Energieversorgung nun "flexibel gestaltet" werden. Was das im Detail bedeutet, sollen Investoren von Retezár "demnächst" erfahren.

    AWS gibt an, dass bei der Unterstützung für Fontus "die Untersuchung der grundsätzlichen Machbarkeit" im Vordergrund stehe. Im Unterschied zu anderen AWS-Förderungen werden hier die "technologische beziehungsweise inhaltliche Machbarkeit" und ein "plausibles Geschäftsmodell" noch nicht vorausgesetzt. Die Höhe der Förderung wird mit Verweis auf "Verschwiegenheit" nicht bekanntgegeben.

    Jury entschied über Förderung

    Über das Konzept von Fontus wurde in zahlreichen Medien – auch im STANDARD – berichtet. Das Start-up erreichte außerdem die Shortlist des James Dyson Awards. Über die Förderung durch die AWS hat eine Jury entschieden.

    Die Kleininvestoren, durch deren Beiträge auf Indiegogo 345.000 Dollar gesammelt wurden, haben keine Handhabe, wenn die Fontus-Produkte Airo oder Ryde in einer anderen Form oder gar nicht erscheinen.

    Die Crowdfunding-Plattform erlaubt neben Spenden den Erwerb sogenannter Perks. Damit ist gemeint, dass Investoren bei der Realisierung des Projekts für ihre Überweisung ein Produkt erhalten. (Fabian Schmid, 9.5.2017)

    • Das am Rucksack angebrachte Solarpaneel soll laut Kritikern viel zu klein konzipiert worden sein
      foto: fontus/indiegogo

      Das am Rucksack angebrachte Solarpaneel soll laut Kritikern viel zu klein konzipiert worden sein

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