Seat Ibiza: Das Leben ist keine Insel

    11. Mai 2017, 09:07
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    Der Ibiza ist der erfolgreichste aller Seats, und nun startet Generation fünf – praktisch gleich lang, aber geräumiger und mit jeder Menge technischer Inhalte

    Barcelona – Abschalten. Nach einem anstrengenden Arbeitstag die Fahrt im Auto nutzen als Oase der Stille, als Refugium der Kontemplation. Das war einmal. Längst redet uns die Konsumwelt erfolgreich ein, dass auch noch die letzte Lücke frei verfügbarer Zeit gefüllt zu werden hat mit Information, Internet, Kommunikation, Lautsprechergedudel.

    foto: seat
    Unter den Kleinwagen besetzt der Ibiza weiter eine dynamische Position. Fahrcharakteristik: straff, agil und wendig. Dreitürer und Kombi gibt es übrigens nicht mehr. Was dafür kommt: Modelloffensive.

    Runterkommen, Denken, Seelenleben? Wer braucht denn so etwas. Das Leben an Bord ist keine Insel mehr, Rundumkonnektivität zieht mit Macht auch in die Kleinwagenliga ein – da ist der neue Ibiza nur eines von vielen Beispielen. Was der alles kann!, erfahren wir bei der Präsentation im Land der Goten und Alanen: 8-Zoll-Tatschbildschirm; Vollvernetzung dank Wahlmöglichkeit zwischen Apple Car Play, Android Auto und Mirror Link. Soll sein. Des einen Leid, des anderen Freud. Man muss das ja nicht zwangsweise alles nutzen.

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    Innen wirkt alles vorbildlich aufgeräumt – und die Acht-Zoll-Infotainment-Spielwiese findet sich zentral.

    Zu den dann aber rundum erfreulichen Fakten zählen Größe und Fahrcharakteristik. Zwar hat sich der Ibiza in Länge (4,06 m; 2 mm kürzer) und Höhe (1,44 m; 1 mm flacher) kaum verändert, er legte aber in der Breite um 87 mm (auf 1,78 m) und beim Radstand um 95 mm (jetzt 2,56 m) zu – wodurch sich das deutlich erwachsenere Raumgefühl erklärt, auch Hinterbänkler finden nun würdige Platzverhältnisse für Knie, Fuß, Haupt.

    Schokoseite Heck

    Das Interieur wirkt sauber und kantig wie das ganze Auto, dessen Schokoladenseite das Heck ist. "Will der Mensch die Eier eckig, geht's den Hühnern ganz schön dreckig!", lautete ein Kalauer in den 1980er-Jahren – ethisch unbedenklich hingegen ist es, wenn die Lüftungsdüsen nicht mehr rund sind, sondern viereckig.

    foto: seat
    Auch das Heck macht ganz auf Kante, der Kofferraum hinter der Klappe fasst statt bisher 292 jetzt 355 Liter.

    Der Ibiza fährt sich straff, agil und wendig. Er gab in seiner Liga stets den Dynamiker, die Übung ist auch in jüngster Ausbaustufe glaubhaft gelungen, und wenn dabei sogar noch der Komfort optimiert wurde, ist das (wie auch die vielen Assistenzsysteme) garantiert kein Grund zur Beschwerde.

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    Dass der Ibiza der Erste im VW-Konzern ist, der sich des Modularen Querbaukastens in Ausbaustufe A0 bedienen darf (und auf der in rascher Folge etliche Fahrzeuge folgen werden), dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Da kommt was auf uns zu.

    Aller guten Dinge sind drei

    Kommt der Ibiza auf uns zu, dann zunächst mit einem von drei Ottomotoren (alles Dreizylinder mit 1,0 l Hubraum): ein Sauger mit 75 PS und zwei Turbos mit 95 sowie 115 PS – Letzterer ein ganz wackeres Kerlchen, spritzig und lustig. Später dann, im Herbst, folgen ein brandneuer 1,5-l-Benziner mit 150 PS, drei Diesel (80, 90, 115 PS) und eine 90-PS-Erdgasvariante. Feiner Kleiner. Aber keine Insel. (Andreas Stockinger, 11.5.2017)

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    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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