Video der Arbeiterkammer OÖ: Werberat verlangt Stopp

    8. Mai 2017, 16:02
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    Gremium sieht Diskriminierung einer ganzen Berufsgruppe und Herabwürdigung von Frauen – Kritik am Werberat

    Linz/Wien – Der Österreichische Werberat verlangt den sofortigen Stopp eines umstrittenen Videos der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich bzw. einen Sujetwechsel. Der Spot zeigt einen ignoranten Chef, der sich nur um seine Boni, nicht aber um seine Mitarbeiter schert. Er diskriminiere eine ganze Berufsgruppe, so das am Montag veröffentlichte Urteil der Werberäte.

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    Das Video, das heftige Proteste von Arbeitgeberseite sowie seitens des ÖAAB hervorgerufen hatte, suggeriere, dass Dominanzgebaren gegenüber Mitarbeiterinnen normal sei und beinhalte zudem eine Herabwürdigung von Frauen, heißt es in der Entscheidung des Werberats. Die Darstellung des Unternehmers als selbstverliebter Ausbeuter, der sich über sozialrechtliche Bestimmungen wie Mutterschutz und Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz hinwegsetzt, erfülle nicht die im Ethik-Kodex aufgestellten Anforderungen.

    arbeiterkammer oberösterreich

    "Keil zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber"

    Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hält den Stopp des Werbespots für richtig, denn das Video versuche darüber hinaus, einen Keil zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu treiben. Auch die designierte Präsidentin der Wirtschaftskammer OÖ, Doris Hummer, begrüßte die Entscheidung im Namen des gesamten Präsidiums. Der Beschluss, die Zusammenarbeit mit der AK OÖ bis auf weiteres auszusetzen, bleibe aber aufrecht. Hummer fordert von AK-Präsident Johann Kalliauer eine öffentliche Entschuldigung. Eine Stellungnahme der AK stand zu Mittag noch aus.

    In dem Video, das auf der AK-Homepage und in Kinos zu sehen ist, bezeichnet sich ein rappender Chef als Narziss, als verantwortungslos, verlangt, die Firma müsse noch schlanker werden, auch wenn die Mitarbeiter dabei noch kranker werden. Er wirft mit Banknoten um sich, steckt einer schwangeren Mitarbeiterin einen Schein in das Dekolleté, entzieht ihr die AK-Leistungskarte, wirft sie weg – und rutscht schließlich darauf aus.

    Update: Kritik am Werberat

    Der oberösterreichische AK-Präsident Johann Kalliauer hat am Montag die Entscheidung des Werberats kritisiert: Vor allem der Vorwurf der Herabwürdigung von Frauen sei seiner Ansicht nach inhaltlich falsch. Der Spot kritisiere nämlich sexistisches Verhalten am Arbeitsplatz, daher finde sich darin eine stark überzeichnete Darstellung von Sexismus.

    "Uns da jetzt Sexismus vorzuwerfen, das grenzt an Böswilligkeit", so Kalliauer. Er verwies darauf, dass der Werberat ein Organ der Unternehmen und seine Mitglieder fast ausschließlich Arbeitgeberverbände im Umfeld der Werbewirtschaft seien. "Mit unserem Spot thematisieren wir die schwarzen Schafe unter den Unternehmerinnen und Unternehmern, nicht alle pauschal", so Kalliauer. Die Frage, was Satire darf, beantwortete er mit Kurt Tucholsky: "Alles!"

    Das Video hatte zu Kritik aus der Wirtschaft geführt. Die Industriellenvereinigung Oberösterreich sieht darin einen "Tiefpunkt in einer seit Jahren verfolgten Positionierung der Verunglimpfung und des Schlechtmachens des Unternehmertums im Allgemeinen und von Vorständen von Großbetrieben im Speziellen". Der Vorstandsvorsitzende des Senats der Wirtschaft, Hans Harrer, findet es erfreulich, dass sich die Werbeseite von dem Video eindeutig distanziere. Auch Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung, begrüßte die Entscheidung gegen das "Hate-Video".

    LHStv. Manfred Haimbuchner (FPÖ) forderte eine Entschuldigung Kalliauers. "In diesem Spot geht es der AK nicht um den Zusammenhalt, nicht um die wirkliche Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer. Es ist klar erkennbar, dass eine Spaltung herbeigeführt werden sollte", findet er. Er hoffe dennoch, dass die Sozialpartner wieder zu einer Gesprächsbasis finden werden. (APA, 8.5.2017)

    Nachlese

    Video der Arbeiterkammer Oberösterreich sorgt für Empörung – Wirtschaftskammer setzt in Oberösterreich Zusammenarbeit mit AK aus, Hoteliervereinigung und ÖAAB empört – AK-Präsident: "Künstliche Aufregung"

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