Ex-ÖFB-Präsident Beppo Mauhart gestorben

    8. Mai 2017, 12:40
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    Der gebürtige Oberösterreicher war Generaldirektor der Austria Tabak und nach 1945 der bisher längstdienende Präsident des ÖFB

    Wien – Österreichs Fußball-Bund trauert um seinen Ehrenpräsidenten Beppo Mauhart. Von 1984 bis 2002 bestimmte der gebürtige Oberösterreicher über die Geschicke des ÖFB, reformierte und strukturierte den Verband um. Bei der Austria Tabak AG war Mauhart von 1988 bis 1995 Generaldirektor. Am Sonntag verstarb der "Vater" der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz mit 83 Jahren.

    "Zu meiner Zeit ist der modernste Sportverband des Landes entstanden", sagte Mauhart anlässlich seines 75. Geburtstags über seine Zeit an der Spitze des ÖFB. Mit als 17 Jahren, neun Monaten und zehn Tagen an der Spitze war der einstige Germanistik- und Zeitungswissenschaftsstudent der nach 1945 längstdienende Präsident des Verbandes.

    Umtriebiger ÖFB-Präsident

    Unter seiner Führung von Juni 1984 bis April 2002 wurden zahlreiche Meilensteine gesetzt, so wurde der ÖFB durch bessere Vermarktung auf ein finanziell gesundes Fundament gestellt, die Bundesliga als eigenständiges Unternehmen platziert, die Zehnerliga eingeführt und Nachwuchsausbildungszentren geschaffen. Außerdem wurde das Praterstadion mit einer Vollüberdachung versehen und im Oktober 1986 mit dem Länderspiel gegen Deutschland (4:1) neu eröffnet. Die Qualifikationen für die Weltmeisterschaften 1990 (mit Teamchef Josef Hickersberger) in Italien und 1998 (mit Herbert Prohaska) in Frankreich fielen in seine Amtszeit.

    Bekanntheitsgrad, Auftreten und Hartnäckigkeit prädestinierten den stets perfekt gekleideten "Manager der alten Schule" zum Proponenten für Großprojekte. Mauhart war der eigentliche Macher der EM 2008, eines Projekts, das er trotz Rückschlägen hartnäckig weiterverfolgte – und das letztlich auch sein Nachfolger Friedrich Stickler mit dem Zuschlag im Dezember 2002 als Erfolg verbuchen durfte.

    "Die EM in Österreich war für mich die Krönung, nachdem es zuvor mit Ungarn als Partner für 2004 nicht geklappt hatte", sagte Mauhart, der als ÖFB-Chef Verträge mit acht Teamchefs abgeschlossen hatte und sich bei seinen Entscheidungen laut Mitarbeitern ungern dreinreden ließ. So soll er auch als Hauptgeldgeber der Wiener Austria ab 1977 (bis Juni 2004) viele Entscheidungen im Alleingang getroffen haben.

    Misere um Sportartikelgruppe Head-Tyrolia-Mares

    Kritiker warfen dem Vater eines Sohnes gelegentlich Arroganz vor. Beim Debakel um die schwer verschuldete Sportartikelgruppe Head-Tyrolia-Mares (HTM) ging sein Konzept nicht auf. Kurz nach dem Ankauf durch die damals staatliche Austria Tabak erwies sich HTM als Sanierungsfall, der die Austria-Tabak-Bilanzen in Milliardenhöhe belastete. Der Vorstand mit Mauhart trat zurück. In Summe kostete das HTM-Engagement die Republik 3,6 Milliarden Schilling, rund 262 Millionen Euro.

    Pressesekretär von Finanzminister Androsch

    Der in Enns geborene Mauhart begann seine Berufslaufbahn als Angestellter in der oberösterreichischen Viehverwertungsgenossenschaft. Parallel dazu besuchte er die Arbeitermittelschule, maturierte und ging nach Wien. 1970 wurde er Pressesekretär von Finanzminister Hannes Androsch (SPÖ), mit dem er seit Studententagen befreundet war. Das war der Startschuss für einen steilen Aufstieg: 1972 wurde der eng mit der Sozialdemokratie verbundene Mauhart in den Aufsichtsrat der Austria Tabak berufen, 1979 wechselte er in den Vorstand. Eine Tätigkeit als Ministersekretär sei generell eine "gute Schule", sagte er später.

    Als ÖFB-Boss trat Mauhart nach fünf Wiederwahlen nicht mehr an. Er räumte nicht ganz freiwillig den Posten: Frank Stronach strebte das Amt an, nach einer Unterredung mit dem Austro-Kanadier verzichteten beide. Stickler wurde neuer Chef.

    Autor und Kunstliebhaber

    Auch in der Pension wurde es um Mauhart nicht still. Der Kettenraucher hatte einen Stammplatz in Seitenblicke-Sendungen und Adabei-Kolumnen, war medial weiter präsent. Im Auftreten stets elegant, eloquent, belesen und kunstinteressiert – so zeigte sich der in Wien-Favoriten lebende Mauhart stets. Seiner Ausbildung blieb er mit der Veröffentlichung einer Reihe von Büchern treu, darunter "Das Winterpalais des Prinzen Eugen" und "Staat, Steuern, Gesellschaft".

    In den letzten Jahren hatte sich Mauhart weitgehend aus dem Rampenlicht zurückgezogen, setzte sich jedoch bis zuletzt für Projekte zu Bildung und Kunst ein. "Beppo Mauhart hat seine Zeit wie kaum ein anderer geprägt. Neben seinen großen Verdiensten um den österreichischen Fußball wird vor allem sein markantes Charisma unvergessen bleiben. Im ÖFB wird Beppo Mauhart als längstdienender Präsident immer einen Ehrenplatz einnehmen", sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner über seinen Vorvorgänger. (APA, red, 8.5.2017)

    Berufliche Karriere: Mauhart kam 1972 als Mitglied des Aufsichtsrates zur Austria Tabak, 1979 wurde er in den Vorstand des Unternehmens berufen, von 1988 bis August 1995 war er Vorsitzender des Vorstands und Generaldirektor des damals drittgrößten Industrieunternehmens in Österreich.

    ÖFB-Karriere:

    Am 30. Juni 1984 wurde Mauhart zum Präsidenten des Österreichischen Fußball-Bundes gewählt. Nach knapp 18 Jahren, 144 Länderspielen und insgesamt 5 Wiederwahlen, endete die bisher längste Präsidentschaft mit der Hauptversammlung am 7. April 2002.

    Mauharts ÖFB-Ära im Detail:

    Amtsantritt am 30. Juni 1984.

    Etablierung der ÖFB-Geschäftsstelle mit dem Team des neuen Generalsekretärs Alfred Ludwig als Servicestelle.

    Durchführung von Länderspielen in den Bundesländern, um das Nationalteam österreichweit zu präsentieren (1984 – 1996/17 Länderspiele außerhalb Wiens, zuvor in 80 Jahren/6 Spiele).

    Neue Wege in der Trainerausbildung (Praxisjahr im Nachwuchs, Qualitätsverbesserungen, Diplomtrainerausbildung).

    Neugestaltung der VIP-Clubräumlichkeiten, ausverkaufter Club der Freunde der Nationalmannschaft.

    Neue Vermarktungsideen des ÖFB – erstmals Team-Sponsoren und Vermarktungsrechte im Stadion.

    Mitwirken am Umbau des Praterstadions zu einer damals international anerkannten modernen Fußballarena.

    Einführung der Wahl zum "Fußball-Römer" für Verdienste um den österreichischen Fußball.

    Der Österreichischer Fußball-Cup wird reformiert, erstmals ein Hauptsponsor gewonnen.

    Die Idee des Toto-Länderspiels wird realisiert Die Toto-Jugendliga wird gegründet.

    Einführung des Internationalen Jugend-Toto-Cups für U16-Nationalteams.

    Übersiedlung des ÖFB in das Praterstadion, Schaffung moderner Verwaltungsräume.

    Umstellung der Spielerverwaltung auf EDV.

    Erreichen der WM-Endrunden Italia 90 und France 98.

    Organisation der EC-Finali der Meister 1987, 1990, Uefa-Champions-League-Finale 1995 und Uefa-Cup-Finale 1994 in Wien.

    Initiative zur EM-Bewerbung 1996 und Einleitung einer Bewerbung für die Euro 2004.

    Ernst Happel konnte 1991 als Teamchef gewonnen werden.

    Die Bundesliga wird selbständiger Verband und zehntes ÖFB-Mitglied.

    Bemühungen zur Leistungskonzentration im Spitzenfußball (zuerst 12er Liga, später 10er Liga).

    Das U16-Team qualifiziert sich insgesamt 9 Mal für die EM, erreicht 1994 den 4. und 1997 den 2. Platz.

    ÖFB-Jubiläumsfeierlichkeiten (90 Jahre) gemeinsam mit Fifa (90 Jahre) und Uefa (40 Jahre) in Wien.

    Uefa-Kongress 1994 in Wien.

    Organisation der U16-EM-Endrunde 1996 in Österreich.

    Bewerbung Österreichs gemeinsam mit Ungarn für die EM 2004.

    Februar 2001: Ernennung zum Vize-Präsidenten des Österreichischen Olympischen Comitees (ÖOC) und Aufnahme in den Vorstand.

    März 2001: Ernennung zum Vize-Vorsitzenden der Uefa-Kommission für Nationalmannschaften.

    Frühjahr 2001: Beschluss zur neuerlichen Bewerbung Österreichs mit der Schweiz um die Austragung der EM-Endrunde 2008.

    Ende der ÖFB-Präsidentschaft am 7. April 2002.

    • Josef "Beppo" Mauhart brachte die gemeinsam mit der Schweiz veranstaltete EM-Endrunde 2008 auf Schiene.
      foto: apa/helmut fohringer

      Josef "Beppo" Mauhart brachte die gemeinsam mit der Schweiz veranstaltete EM-Endrunde 2008 auf Schiene.

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