Heer berechnet Szenarien ohne den Eurofighter

8. Mai 2017, 13:45
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Piloten loben das Fluggerät, die von Darabos wegverhandelten Komponenten fehlen aber schmerzlich, wenn es um echte Einsätze geht

Wien – Was Brigadier Karl Gruber wehtut? "Wenn jemand behauptet, dass die Eurofighter Schrottflieger wären."

Die Flieger gehörten zum Besten, was im Kampfflugzeugbereich derzeit zu haben sei – allerdings "haben wir derzeit eine eingeschränkte Einsatzfähigkeit, das ist kein Geheimnis". Bekanntlich wurden wesentliche Systeme der Offensivfähigkeit und des Selbstschutzes nach einem vom damaligen Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) im Jahr 2007 geschlossenen Vergleich bei den österreichischen Eurofightern abbestellt.

"Nicht kooperierende" Kampfflugzeuge

Folge: Wenn es darum ginge, ein "nicht kooperierendes" ausländisches Kampfflugzeug im österreichischen Luftraum abzufangen, hätte Gruber Bauchweh, einen solchen Auftrag zu erteilen. Solche "nicht kooperierenden" Kampfjets könnten aber – etwa infolge des Ukraine-Konflikts – innerhalb von 30 Minuten im neutralen Österreich sein.

Natürlich könnte man die Eurofighter nachrüsten. Billiger würden sie dadurch nicht – aber Gruber, der zugleich Airchief und Chef einer "Sonderkommission aktive Luftraumüberwachung" ist, hat von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) den Auftrag bekommen, Effizienzpotenziale der Luftstreitkräfte zu erheben.

Das Ende der Saab-105OE

Will sagen: Die Luftraumüberwachung soll zumindest nicht teurer werden. Wobei Gruber einräumt, dass es zur Effizienzsteigerung wohl der einen oder anderen Investition bedarf. Das hängt auch damit zusammen, dass die aus den frühen 1970er-Jahren stammenden Saab-105OE nun dringend ausgemustert werden müssen – ab 2020 braucht das Bundesheer Ersatz.

Grubers Sonderkommission erarbeitet daher 19 verschiedene Szenarien, in denen Ausbildung und Einsatz von Piloten und Flugzeugen optimiert werden können. Der Eurofighter spielt darin eine zentrale Rolle: Wenig wahrscheinlich ist dabei, dass Österreich Eurofighter der neuesten Version bekommt, so viel Ersatzinvestition wird sich die Republik nicht leisten wollen. Denkbar ist, die nun einmal gekauften Eurofighter nachzurüsten – aber auch das wäre teuer und schwierig: Das Verteidigungsministerium hat ja den Eurofighter-Hersteller Airbus wegen angeblichen Betrugs angezeigt; seither herrscht Funkstille, was künftige Geschäfte betrifft.

Neues Kampfflugzeug gesucht, alte Modelle gefunden

Also wird man sich um ein anderes Kampfflugzeug umsehen müssen. Da ist das Angebot überschaubar. Gruber erwähnte bei einem Hintergrundgespräch am Montag ausdrücklich die F-16 von Lockheed Martin (ein entsprechendes Angebot wurde vom Bundesheer 2002 abgelehnt), den schwedischen JAS-39 Gripen (war bei der Ausschreibung 2002 dem Eurofighter unterlegen) und die tschechische L-159 NG.

Mit dubiosen russischen Angeboten, "wo man die Mafia braucht, wenn man Ersatzteile will", werde man sich nicht auseinandersetzen, sagte Gruber. Offen ist, ob für die Saab-105OE ein Ersatz beschafft wird oder ob man die Teile der Pilotenausbildung mit Unterschallflugzeugen gänzlich ins Ausland verlegt – dann müssten aber im Inland vermehrt Überschalljets zum Einsatz kommen.

Was in allen Varianten enthalten ist: eine Nachrüstung des Simulators in Zeltweg um etwa 30 Millionen Euro – dann könnten die Piloten auf etliche teure Flugstunden im Kampfflugzeug verzichten. (Conrad Seidl, 8.5.2017)

  • Airchief Karl Gruber: Luftraumüberwachung ist als Kernaufgabe des Bundesheers unumstritten, das Fluggerät aber bleibt umstritten.
    foto: matthias cremer

    Airchief Karl Gruber: Luftraumüberwachung ist als Kernaufgabe des Bundesheers unumstritten, das Fluggerät aber bleibt umstritten.

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