Damaskus: Rebellen verlassen Stadtteil Barseh

8. Mai 2017, 11:31
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Kämpfer und ihre Familien sollen nach Nordsyrien gebracht werden

Damaskus – Erstmals seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor mehr als sechs Jahren ist nach Angaben der Staatsmedien in der Hauptstadt Damaskus eine Evakuierungsaktion für Rebellen angelaufen. Die ersten bewaffneten Männer und einige ihrer Angehörigen hätten in 40 Bussen das nordöstliche Viertel Barseh verlassen, meldete das Staatsfernsehen am Montag. Die Aktion werde fünf Tage dauern.

Wie viele Einwohner insgesamt das Viertel verlassen werden, blieb zunächst unklar. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sollten am Montag zunächst bis zu 1.500 Rebellenkämpfer und ihre Familien in die nordwestliche Provinz Idlib gebracht werden. Die Vereinbarung zur Evakuierung von Barseh war am Sonntagabend geschlossen worden. Der Großteil von Damaskus steht unter Kontrolle der Regierungstruppen, lediglich sechs Viertel am Stadtrand sind in Rebellenhand.

Syrische Regierung will Schutzzonen akzeptieren

Die syrische Regierung will die jüngst geschlossene Vereinbarung über Schutzzonen in dem Bürgerkriegsland nach eigenen Angaben respektieren. Solange sich die Rebellen an die Übereinkunft hielten, fühle sich auch die Regierung in Damaskus daran gebunden, sagte Außenminister Walid al-Mualem am Montag in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.

Der Minister forderte die Aufständischen zugleich auf, in den von ihnen kontrollierten Gebieten selbst gegen dort operierende Islamisten wie die Nusra-Front vorzugehen. Internationale Garantiemächte sollten die Rebellen dabei unterstützen. Die Vereinten Nationen (UN) spielten dabei aber keine Rolle.

Der Iran und die Türkei hatten vergangene Woche bei Syrien-Gesprächen in der kasachischen Hauptstadt Astana einem Vorschlag Russlands zur Errichtung der Schutzzonen zugestimmt. Die Zonen gelten seit Samstag. Die Kämpfe flauten seitdem ab, hörten aber nicht ganz auf. Russland steht in dem Bürgerkrieg wie auch der Iran hinter Präsident Bashar al-Assad, während die Türkei und die USA bestimmte Rebellengruppen unterstützen. Die syrische Opposition lehnte den Plan der Deeskalationszonen dagegen mit der Begründung ab, Russland habe bisher nicht dazu beigetragen, vereinbarte Waffenruhen auch umzusetzen.

Für die bisher zurückhaltenden USA erklärte Verteidigungsminister Jim Mattis, sein Land werde sich anschauen, ob das Konzept funktioniere und dazu beitragen könne, den Konflikt zu beenden. Der Teufel stecke bekanntlich im Detail, sagte er in Kopenhagen.

In Syrien herrscht seit gut sechs Jahren Bürgerkrieg. Mehr als 320.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet, über die Hälfte der Bevölkerung wurde in die Flucht getrieben. (APA, 8.5.2017)

  • Barseh, 8.5. 2017: Aufständische und ihre Angehörigen warten auf den Bus
    foto: apa/afp/saria abu zaid

    Barseh, 8.5. 2017: Aufständische und ihre Angehörigen warten auf den Bus

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