27,5 Millionen Euro teure Volkstheater-Generalsanierung

Video8. Mai 2017, 11:13
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Kommendes Jahr soll zwischen Mai und Oktober für Zuschauerkomfort, Betriebsoptimierung und Substanzerhalt umgebaut werden

Wien – Alles neu macht der Mai für das Wiener Volkstheater. Erst erhielt es am Samstag eine neue Adresse. Der bisher namenlose Platz vor dem Bau heißt nun standesgemäß Arthur-Schnitzler-Platz. Dann präsentierte Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) am Montag ein 27,5 Millionen Euro teures Umbaupaket für das Haus, in das 2015 Anna Badora bereits mitsamt neuem Zuschauerraum eingezogen ist. Kommendes Jahr soll zwischen Mai und Oktober wieder saniert werden. "Gehofft ja, aber geglaubt naja", kommentierte die Intendantin bei der Projektpräsentation.

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"Eineinhalb Jahre permanente Ausnahmesituation" zwischen Normalbetrieb und Generalsanierung stünden nun bevor, denn "der Steuerzahler hat gegeben, jetzt tun wir unsere Pflicht, das Haus zukunftsfit zu machen." "Ziemlich rechtzeitig zum 130-jährigen Jubiläum", merkte Drozda an. Die Leidensgeschichte des 1889 erbauten Hauses zu betonen, etwa das undichte Dach, vergaß keiner. "Mit Augenmaß und beständigem Druck" habe Badora für die Aufstellung der Mittel gesorgt, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).

Dreierlei Nutzen

Die Umbauten sollen zum einen den Besucherkomfort erhöhen, etwa ein neu zu entstehendes Cafe im derzeitigen unteren Garderobenbereich, eine neue Zentralgarderobe, vergrößerte Sanitäranlagen oder ein Lift. Damit wird das Volkstheater barrierefrei. Klimatisierung soll es auch in der warmen Jahreszeit besser bespielbar machen, Akustikprobleme sollen ausgemerzt werden. Eine neue Tageskassa entsteht zur Neustiftgasse hin.

Zum anderen soll eine Sanierung der Dächer, Fassade und Fenster die historische und zum Teil denkmalgeschützte Bausubstanz sichern. Auch feuerpolizeiliche Maßnahmen werden dabei umgesetzt.

Und drittens soll der Spielbetrieb optimiert werden. Eine neue – bisher gab es keine – Seitenbühne soll Ausweichflächen schaffen und so Platznot im Bühnenbereich lindern. Zugleich entsteht mit ihr eine neue Zone für die Anlieferung. Mit erneuert und auf den aktuellen Standard gebracht wird auch die Bühnentechnik. Etwa: Für die Teilnehmer der Pressekonferenz war der Spaziergang am Schnürboden okay, dem Arbeitsinspektorat ist die manuelle Arbeit mit den Zügen und Gewichten dort oben aber ein Dorn im Auge. Sie wird motorisiert. Büroräume sollen weiters durch eine Anhebung des Daches gewonnen werden. "Alle Maßnahmen richten sich nach den Bedürfnissen des Repertoiretheaters", so Cay Stefan Urbanek, seit 2011 Kaufmännischer Direktor des Hauses.

"Infrastrukturinitiative"

3,5 Millionen dafür werden vom Volkstheater u. a. über Spenden eigenfinanziert, 24 Millionen Euro kommen zu gleichen Teilen von Bundeskanzleramt und Stadt Wien. Kulturstadtrat Mailath-Pokorny sieht das als Teil einer "Infrastrukturinitiative" im städtischen Kulturbereich, um die traditionsreichen und weltweit einzigartigen Spiel- und Ausstellungstätten – er nannte u. a. auch die Secession und das Künstlerhaus – nicht nur zu erhalten, sondern auch für jüngeres Publikum attraktiv zu machen, "sodass es gerne hingeht".

Während der sechs Monate Umbauzeit – die Architekten Dietrich/Untertrifaller und Alexander van der Donk wollen sich an die Originalpläne von Helmer und Fellner anlehnen – werden drei Premieren aus dem großen Haus ins Odeon-Theater ausgelagert, im Volx soll der Spielbetrieb normal ablaufen. Die Wiedereröffnung ist für 27. Oktober geplant, an der Fassade wird dann noch nachgearbeitet werden. "Sobald die Bühnentechnik fertig ist, wird hier wieder gespielt", so Urbanek.

Die Ausschreibungen erfolgen in den nächsten Monaten. Die künstlerischen Pläne nicht nur für den vom Umbau betroffenen Zeitraum werden bei der Spielplan-Präsentation am Donnerstag Thema sein. (wurm, 8.5.2017)

  • Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pkorny, Kultrminister Thomas Drozda und Anna Badora (v. li.) über dem Modell zum Volkstheaterumbau.
    foto: apa/hans punz

    Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pkorny, Kultrminister Thomas Drozda und Anna Badora (v. li.) über dem Modell zum Volkstheaterumbau.

  • Blick vom Schnürboden auf Bühne (Kulissen zu "Nathan der Weise") und Zuschauerraum. Letzterer wurde bei Anna Badoras Einzug bereits um 1,2 Millionen Euro neu bestuhlt und mit einer Tribüne versehen. Dass es im Volkstheater so wenig Logen gebe, sah Kulturminister Thomas Drozda bei der Pressekonferenz zum Umbau als "Zeichen dafür, wie niederschwellig der Zugang ist".
    foto: apa/hans punz

    Blick vom Schnürboden auf Bühne (Kulissen zu "Nathan der Weise") und Zuschauerraum. Letzterer wurde bei Anna Badoras Einzug bereits um 1,2 Millionen Euro neu bestuhlt und mit einer Tribüne versehen. Dass es im Volkstheater so wenig Logen gebe, sah Kulturminister Thomas Drozda bei der Pressekonferenz zum Umbau als "Zeichen dafür, wie niederschwellig der Zugang ist".

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