Pakistans Armee tötet dutzende afghanische Grenzsoldaten

7. Mai 2017, 18:43
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Vorfall an der Grenze offenbar in Zusammenhang mit pakistanischer Volkszählung

Quetta – Die pakistanische Armee hat nach eigenen Angaben bei einem bewaffneten Zusammenstoß an der Grenze zu Afghanistan mehr als 50 afghanische Soldaten getötet. Generalmajor Nadim Ahmad, der das paramilitärische Grenzkorps befehligt, sagte am Sonntag, zudem seien mehr als hundert afghanische Soldaten verletzt worden.

Auf pakistanischer Seite habe es bei dem Vorfall am Donnerstag in Tschaman zwischen Pakistans südwestlicher Provinz Balutschistan und dem afghanischen Kandahar zudem zwei tote und neun Verletzte Soldaten gegeben.

Grenzverletzung vorgeworfen

Nach amtlichen Angaben wurden außerdem acht Zivilisten getötet – sieben Pakistaner und ein Afghane. Kabul warf Pakistan vor, dass von Soldaten begleitete Volkszähler sich auf afghanisches Gebiet begeben hätten. Islamabad bestritt das.

Die Regierung in Kabul bezeichnete unterdessen die von Pakistan genannten Zahlen auf afghanischer Seite als völlig überhöht. Die Grenze blieb unterdessen seit Freitag geschlossen. Mit dem aufwendigen Projekt der Volkszählung – der ersten seit 1998 – hatte Pakistan im März begonnen.

Afghanistan und Pakistan sind durch die sogenannte Durand-Linie geteilt. Die nach dem britischen Diplomaten Henry Mortimer Durand benannte Demarkationslinie wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den damaligen Kolonialherren festgelegt. Die Grenze sollte das afghanische Territorium von dem Gebiet unter britischer Verwaltung trennen. Im Gegensatz zu Pakistan hat Afghanistan die 2400 Kilometer lange Linie, die das Gebiet der ethnischen Paschtunen in zwei Teile teilt, nie als internationale Grenze anerkannt.

Im vergangenen Jahr hatte Pakistan in der südlichen Hälfte des Grenzverlaufs einen 1100 Kilometer langen Graben fertiggestellt. Im März begann mach eigenen Angaben im nördlichen Abschnitt mit der Bau einer Sperranlage zur Abwehr bewaffneter Rebellen. Kabul und Islamabad werfen sich gegenseitig vor, im jeweiligen Grenzgebiet Taliban und andere islamistische Kämpfer zu dulden, die sie für tödliche Angriffe in beiden Ländern verantwortlich machen. (APA, 7.5.2017)

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