Baumgartner und die Mattersburger Seele

7. Mai 2017, 14:49
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Unter dem neuen Trainer haben sich die Burgenländer neu erfunden

Mattersburg – Wenn spielstarke Teams überraschend verlieren gegen einen Underdog, zweifeln sie nur selten an ihrer Spielstärke. Zumeist ärgern sie sich bloß darüber, dass die Sieger sich nicht einlassen wollten auf die Feinheiten des Spiels, sondern mit Rohkraft dagegen gehalten haben.

Alexander Walke, der Tormann von RB Salzburg, sagte das nach dem 1:2 in Mattersburg so: "Wir haben uns einfach dieses Kick and Rush aufzwingen lassen." Und sein Trainer, Oscar Garcia sah: "Mattersburgs Spielstil war heute: lange Bälle." Gerald Baumgartner, der siegreiche Trainer, widersprach nicht ganz, aber: "Es wäre schade, wenn man uns auf dieses Kick and Rush herabsetzen würde." Schade auch deshalb, weil der aufmerksame Beobachter solcherart umfallen würde um die Einsicht, wie viel taktische Finesse, gewissermaßen Hirnschmalz, in einer vordergründig so einfach geschnittenen Spielanlage steckt.

Das Momentum

Gerald Baumgartner hat im Winter ja eine zutiefst an sich selber zweifelnde Truppe von Albtraummännchen übernommen. Vier Punkte betrug der Rückstand auf den Vorletzten. Kaum jemand traute ihm da zu, die Mission Klassenerhalt doch noch zu schupfen. Nun allerdings scheint die beinahe gelungen. Punktegleich mit Rapid liegen die Burgenländer auf Rang sieben, sechs Punkte vorm Letzten, vier Runden sind noch zu spielen. Das Momentum – wie das auf Neuballesterisch heißt – ist fraglos auf Mattersburger Seite.

Der Salzburger Baumgartner, von 2005 bis 2011 bei den jungen Bullen, hat die burgenländische Truppe neu beseelt. Das klingt ein wenig esoterisch, meint aber ganz konkrete, hemdsärmelige Maßnahmen. Gezielteres Konditionstraining zum Beispiel. Die Ausrichtung des Teams auf ein klares 4-2-3-1, innerhalb dessen es aber eine bemerkenswerte, dem jeweiligen Gegner möglichst auf den Leib geschneiderte Flexibilität gibt. Ein forciertes, aggressives Spiel gegen den Ball.

Und dann natürlich die von Garcia angesprochenen langen und in weiterer Folge zweiten Bälle auf Stefan Maierhofer, der hier, in der pannonischen Provinz, auch eine Art Leithammel spielt. Maierhofer erzielte am Samstag den Ausgleich. Die Salzburger Leihgabe David Atanga den Siegestreffer. Mit den beiden kam von Altach auch der erfahrene, ruhige Verteidiger César Ortiz (28).

Die Neuen

Diese drei Wintertransfers sind sicherlich auch ein Teil der Erklärung, warum Matterburg das zweitbeste Team im Frühjahr ist. Aber Baumgartner schaffte "mit viel individueller Kommunikation", aus einem geradezu überblähten 30-Mann-Kader ein Team zu bilden, in dem alten, schon Richtung Ausgedinge unterwegs scheinenden Kräften plötzlich Flügel wuchsen. Gegen Salzburg fand etwa auch Patrick Farkas wieder in die Spur, in der Seitenläufer Alois Höller in diesem Frühjahr genauso formstabil ist wie Thorsten Röcher, der sich selbst zur gefährlichen Waffe zugespitzt hat. Und selbst Patrick Bürger nimmt es gelassen hin, dass er im Moment dem Major Maierhofer den Joker zu machen hat, als welcher er freilich erst recht trifft.

Nach dem 2:1 unter den Pappeln gratulierte Gerald Baumgartner seinem Salzburg-Kollegen gleichwohl zum Meistertitel. Nedejlko Malic – auch er einer, der unter Baumgartner den Kopf wieder hochträgt – tröstete, dass daheim in Salzburg die Meisterfeier dann doppelt schön werden würde. Malic, der als junger Bub aus Banja Luka kam, wird demnächst übrigens Doktor sein. Auch etwas, das zur manchmal so wundersamen Geschichte des SV Mattersburg dazugehört. (Wolfgang Weisgram, 7.5. 2017)

  • Gerald Baumgartner transformierte Mattersburg zur zweitbesten Frühjahrsmannschaft.
    foto: apa/punz

    Gerald Baumgartner transformierte Mattersburg zur zweitbesten Frühjahrsmannschaft.

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