Bierig: Guinness wird vegan, Heineken patentiert Gerste

7. Mai 2017, 15:27
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Guinness wird vegan, Carlsberg und Heineken schützen energiesparendes Getreide. Die Branche kämpft gegen Rückgänge

Veganes Bier? Klingt ziemlich überflüssig, denn außer Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gibt es ja nicht allzu viele Zutaten für die Herstellung des Getränks. Dennoch verpassen sich einige Bierhersteller die Auszeichnung vegan. Zuletzt kam Guinness auf den tierlosen Geschmack. Reiner Marketingschmäh? Zumindest vordergründig nicht. Denn Guinness verwendete bisher die Hausenblase in Filtern, und die dient Fischen zur Steuerung im Wasser. Hausen ist die Bezeichnung für eine Störart, wobei längst die Blase anderer Fische in der Industrie verwendet wird.

Guinness reagiert mit dem Veggie-Produkt auf den sinkenden Bierabsatz. Generell versuchen sich die Hersteller mit alten Rezepten oder neuen Kreationen gegen den geschrumpften Durst auf den Gerstensaft zu wappnen. Vor allem bei Jugendlichen kommt Bier zusehends aus der Mode. Der zum Diageo-Konzern zählende irische Traditionshersteller will nun bis Jahresende vegan sein.

Enzymarme Gerste

Auch Bestrebungen zur Energieeinsparung bringen nicht ganz unumstrittene Praktiken mit sich. Die Riesen Heineken und Carlsberg haben drei Patente für eine energiesparendere Herstellung von Bier und auf Gerstenpflanzen selbst beim Europäischen Patentamt eingereicht und bewilligt bekommen. Nichtregierungsorganisationen wie Arche Noah, ein Verein für den Erhalt und die Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt, haben zwei Patente bereits beeinsprucht und bereiten den dritten Einspruch vor.

foto: dpa
Der Schutz von Gerstensorten stößt auf Kritik.

Die eine besondere Gerste der Braugiganten weist einen geringeren Anteil bestimmter Enzyme (Lipoxygenase) auf, die andere weniger von einer bestimmten Schwefelverbindung (Dimethylsulfid). Die Kreuzung aus beiden Gersten soll das "Energiespar"-Bier durch kühleres Brauen ermöglichen.

Gegen Patent auf Pflanzen

"Aus unserer Sicht dürfen Pflanzen und Saatgut niemals patentiert werden", sagt Katherine Dolan von der Arche Noah, wo sie die Abteilung Saatgutpolitik leitet. "Pflanzen sind Gemeingut. Werden Pflanzen und Saatgut patentiert, ergibt sich ein Zugangsausschluss zu natürlichen Ressourcen. Pflanzen werden zum Privateigentum", kritisiert die Fachfrau.

Durch Patente werde die gesamte Züchtungsarbeit eingeschränkt, neue Sorten würden schwieriger züchtbar, erklärt Dolan. Daher seien auch alle heimischen Züchtungsbetriebe gegen die Patentierung von Pflanzen und Saatgut. Nicht zu vergessen sei, dass es auch zu Folgen für die Ernährung kommen könne und sich teure Patente nur die Großen leisten könnten.

Hoffen auf Verbot

Derzeit laufen beim Europäischen Patentamt in München im Rahmen des Patentrates Gespräche der 38 Mitgliedstaaten, darunter Österreich, wie man künftig mit der Patentierung von Pflanzen und Tieren umgeht. Ende Juni wird eine Entscheidung erwartet. Arche Noah hofft auf ein umfassendes Verbot. Konsumenten- oder Umweltvertreter würden im Gegensatz zu Industrievertretern aber nicht mitdiskutieren, monierte Dolan und wertet das als nicht allzu gutes Zeichen.

"Wir erarbeiten gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen, Sozialpartnern und Industrievertretern eine gemeinsame österreichische Position zum Thema, um uns stark in den Prozess einzubringen", hieß es zu den eben gestarteten Verhandlungen im München aus dem Infrastrukturministerium von Jörg Leichtfried (SPÖ). "Das Ministerium strebt eine Änderung der Ausführungsordnung zum Europäischen Patentübereinkommen (EPÜ) an. Darin muss klargestellt werden, dass durch im Wesentlichen biologische Züchtungsverfahren gewonnene Pflanzen und Tiere von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind."

Leichtfried gegen "Einheitsbier"

In einer Aussendung kürzlich hatte sich Leichtfried bereits kritisch zu den Patenten von Heineken und Carlsberg geäußert. "Ich bin für Gerstenvielfalt und gegen Einheitsbier. Patente auf Saatgut, Pflanzen und Tiere sind darum inakzeptabel."

"Patente auf konventionell gezüchtete Nutztiere und Nutzpflanzen sowie deren Samen und Nachkommen sind unethisch und bringen jahrtausendealte Rechte der Landwirte in ernsthafte Gefahr", schrieb auch ÖVP-EU-Politikerin Elisabeth Köstinger kürzlich anlässlich der Debatte über die Bierpatente in einer Aussendung. (red, APA, 7.5.2017)

  • Auch Catherine, die Herzogin von Cambridge, nimmt hin und wieder einen kräftigen Schluck Guinness. Zumindest am St. Patrick's Day.
    foto: reuters

    Auch Catherine, die Herzogin von Cambridge, nimmt hin und wieder einen kräftigen Schluck Guinness. Zumindest am St. Patrick's Day.

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