Vier ehemalige Bundesheersoldaten kämpften in Ukraine

6. Mai 2017, 17:55
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Ex-Kamerad verteidigt Vorarlberger Söldner – Ukrainischer Rechtsextremist: "Der Typ ist ein echter Held"

Wien/Kiew/Moskau – Vier ehemalige Soldaten des Jägerbataillon 18 des österreichischen Bundesheers haben in der Ukraine gekämpft, unter ihnen der am vergangenen Wochenende festgenommene Benjamin F. Das berichtet der "Kurier" in seiner Sonntagausgabe. Das Bataillon, das in St. Michael in der Steiermark Soldaten für Auslandseinsätze vorbereitet, gilt als Vorzeigeeinheit.

Zumindest zwei der vier Soldaten hätten desertiert. Das Bundesheer bestätigte ihr Fernbleiben. Ihr Dienstverhältnis wurde deshalb beendet, sie wurden angezeigt und rechtskräftig verurteilt. Nachzuforschen, was die Soldaten während dieses unerlaubten Fernbleibens getan haben, "ist nicht unsere Aufgabe", sagte der Pressesprecher des Verteidigungsministeriums, Oberst Michael Bauer. Diese Soldaten hätten offenbar das Bundesheer verlassen, ihr Verhalten könne "dem Bundesheer nicht angelastet werden", argumentierte Bauer. Für ihn bleibe das Jägerbataillon 18 "ein sehr guter Verband".

F. sitzt in Polen in Haft. Er war vergangenes Wochenende verhaftet worden, als er Polen in Richtung der Ukraine verlassen wollte. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hatte aufgrund des Vorwurfs wegen "Kriegsverbrechen gegen Personen" im Ukraine-Konflikt einen Europäischen Haftbefehl gegen den Österreicher ausgestellt. Dem 25-Jährigen wird vorgeworfen, Zivilisten und Soldaten, "die sich bereits ergeben hatten", getötet zu haben.

Ein ehemaliger Mitkämpfer des mutmaßlichen Kriegsverbrechers verteidigt den Festgenommenen. Benjamin F. sei Ende Juli 2016 nicht direkt an Kämpfen in der Ostukraine beteiligt gewesen, sondern habe als ("Tactical Medic") Leichen geborgen und abtransportiert, sagte der Kamerad, der anonym bleiben wollte, dem Nachrichtenmagazin "Profil".

Dabei sollen die Fotos entstanden sein, die zeigen, wie der 25-Jährige in einem Schützengraben mit verstümmelten Leichen posiere, sagte der Mitkämpfer weiter. Die Angaben des Mannes konnten von "Profil" laut Vorausbericht allerdings nicht unabhängig überprüft werden.

Gefechte

Laut dem Mann sei eine Aufklärungseinheit des 11. Bataillons der ukrainischen Armee, der F. vergangenes Jahr beigetreten war, Ende Juli 2016 nahe der Stadt Popasna in Lugansk in schwere Gefechte mit prorussischen Separatisten verwickelt gewesen. Die Auseinandersetzungen forderten mehrere Menschenleben auf beiden Seiten. "Mit ihrem Tod hat Ben nichts zu tun", beteuerte der Mitkämpfer des Vorarlbergers demnach: "Die waren schon gestorben, und keiner hat irgendeinen Scheiß mit ihnen angestellt." Die Verstümmelungen an den Toten seien vielmehr durch Schüsse und Granatenexplosionen im Gefecht verursacht worden.

"Echter Held"

Auch ein Sprecher des rechtsextremen ukrainischen Prawyj Sektor erklärte gegenüber der APA, dass der Österreicher als Sanitäter tätig war. F. habe zwar nicht ihrem militärischen Verband (DUK PS) angehört, aber "er war Freiwilliger in diesem 11. Bataillon (der 59. Brigade der ukrainischen Streitkräfte, Anm.) als Sanitäter und hat sich dann als Soldat diesem Bataillon angeschlossen. Im Kohlebergwerk Butiwka hat er ungefähr 30 Menschen gerettet, die unter Beschuss gekommen waren, erklärte Artjom Skoropadski vom Prawyj Sektor gegenüber der APA und meinte: "Der Typ ist ein echter Held."

F. sitzt in Polen in Haft. Er war vergangenes Wochenende verhaftet worden, als er Polen in Richtung der Ukraine verlassen wollte. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hatte aufgrund des Vorwurfs wegen "Kriegsverbrechen gegen Personen" im Ukraine-Konflikt einen Europäischen Haftbefehl gegen den Österreicher ausgestellt. Dem 25-Jährigen wird vorgeworfen, Zivilisten und Soldaten, "die sich bereits ergeben hatten", getötet zu haben. Seine Auslieferung an Österreich wird in ein paar Wochen erwartet. (APA, 6.5.2017)

  • Anhänger des "Rechten Sektors" paradieren in Kiew.
    foto: reuters/garanich

    Anhänger des "Rechten Sektors" paradieren in Kiew.

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