Weniger Kämpfe in Syrien nach Einrichtung von Schutzzonen

6. Mai 2017, 16:46
117 Postings

Seit Mitternacht gelten Schutzzonen für Bevölkerung – Russland und USA kooperieren wieder im Luftraum über Syrien

Moskau – Zu Beginn der Einrichtung von Schutzzonen in Syrien hat die Gewalt in dem Bürgerkriegsland offenbar abgenommen. Die Intensität der Kämpfe in den betroffenen Gebieten habe sich trotz vereinzelter Gefechte und Luftangriffe der Regierungstruppen "deutlich" abgeschwächt, teilte die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" am Samstag mit. In der Provinz Homs sei ein Kind getötet worden.

Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete die Lage in Syrien als "stabil." Die Beobachtungsstelle meldete "einige Kämpfe und Bombardierungen" in den Provinzen Hama, Damaskus und Aleppo nach Inkrafttreten der Vereinbarung in der Nacht auf Samstag. Bei Angriffen der syrischen Luftwaffe in der Provinz Homs sei ein Bub getötet worden. In anderen Landesteilen seien sieben Rebellen getötet worden. In Hama hätten Kampfjets der Regierungstruppen Fassbomben abgeworfen. Die Angaben der oppositionsnahen Organisation sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Russland, die Türkei und der Iran hatten am Donnerstag im kasachischen Astana ein Memorandum über die Einrichtung von vier Schutzzonen in Syrien unterzeichnet. Dieses trat nach russischen Angaben in der Nacht zum Samstag schrittweise in Kraft. Das endgültige Abkommen, bei dem die vier Zonen genau festgelegt werden sollen, soll erst am 4. Juni stehen. Ziel ist ein Ende der Kämpfe in den Gebieten, zudem soll der Zugang für humanitäre Hilfe gesichert werden.

Keine offizielle Einstellung bekannt gegeben

Weder die syrischen Regierungstruppen noch die Rebellen haben bisher eine Einstellung der Kampfhandlungen bekannt gegeben. Beide Seiten warfen sich am Samstag jedoch gegenseitig "Verstöße" gegen das Abkommen vor. Russland hatte die Luftangriffe in den betreffenden Gebieten nach eigenen Angaben bereits Anfang Mai eingestellt.

Die Vereinbarung soll den Angaben zufolge die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens, Gebiete im Zentrum und im Süden des Landes sowie die Rebellenhochburg Ost-Ghuta bei Damaskus umfassen. Die Lage in Idlib war am Samstag vergleichsweise ruhig, wie ein Agentur-Korrespondent berichtete.

Der Händler Abu Kais aus der von Rebellen kontrollierten Ortschaft Maaret al-Numan berichtete, er habe kaum noch Flugzeuge am Himmel beobachtet. "Die Einwohner sind erleichtert." Nach Angaben eines Journalisten in Duma überflogen Kampfjets der Regierungstruppen am Samstagmittag Ost-Ghuta.

Erster Schritt zur Waffenruhe

Die USA und Deutschland hatten die Initiative grundsätzlich begrüßt, aber auch Bedenken angemeldet. "Noch sind viele Details unklar. Wir hören auch besorgniserregende Berichte über Verstöße, die noch schwer zu verifizieren sind", teilte das Auswärtige Amt am Samstag in Berlin mit. "Wenn es tatsächlich gelingen sollte, in den kommenden Tagen und Wochen die Kampfhandlungen in vier besonders umkämpften Teilen Syriens zu unterbinden, dann wäre das ein wichtiges Signal."

Dies könne aber nur "ein erster Schritt für eine effektive Waffenruhe in ganz Syrien sein", erklärte das Außenministerium weiter. Die internationalen Friedensverhandlungen unter Vermittlung der UNO sollen in Laufe des Monats fortgesetzt werden.

Eine der wichtigsten syrischen Oppositionsgruppen, die Nationale Syrische Koalition, wählte unterdessen einen neuen Vorsitzenden. Der 70-jährige Dissident Riad Seif wurde am Samstag zum Nachfolger von Anas al-Abdeh bestimmt, wie die Pressestelle der in Istanbul ansässigen Gruppierung mitteilte.

In Syrien herrscht seit gut sechs Jahren Bürgerkrieg. Mehr als 320.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet, über die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht getrieben. (APA, AFP, 6.5.2017)

    Share if you care.