Widerstand gegen geplantes Post-Verteilerzentrum nahe Wien

5. Mai 2017, 15:33
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Bürgerinitiative aus Bisamberg befürchtet Belastungen für Anrainer und Natur. Laut Post sei der Standort für Norden Wiens wegen steigender Paketmengen notwendig

Bisamberg/Langenzersdorf – Eine Bürgerinitiative aus Bisamberg will "mit allen rechtlichen Mitteln", wie es bei einer Pressekonferenz am Freitag hieß, gegen ein im benachbarten Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) geplantes Post-Verteilerzentrum an der A22 (Donauuferautobahn) bei Korneuburg Ost kämpfen. Gründe der Ablehnung: Man befürchtet u.a. eine massive Verkehrszunahme sowie steigende Luft- und Lärmschadstoffemissionen.

Gerade bei Projekten an Gemeindegrenzen müsse besonders genau geprüft werden. Stattdessen sei keine strategische Umweltprüfung durchgeführt worden und der Planungsakt der Gemeinde Langenzersdorf damit rechtswidrig, sagte Rechtsanwalt Wolfgang List. Der gesamte Logistikpark werde nämlich eine Fläche von 40 Hektar beanspruchen – bei 25 Hektar sei eine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) erforderlich. Eine Baugenehmigung nach der NÖ Bauverordnung sei rechtswidrig.

Kritisiert wurde auch die "Salami"-Taktik der Post, mit elf Hektar anzufangen, während es sich künftig um ein Mega-Projekt handle. Insidern zufolge, die sich an die Initiative gewandt hätten, sei als Zustellgebiet das gesamte Weinviertel und Teile des Waldviertels geplant. "Richtig schlimm" werde es, wenn von Langenzersdorf aus die Pakete von Amazon Prag verteilt werden, hieß es. Laut diesen Informationen sei der Bauauftrag bereits erteilt worden, demnächst solle der bestehende Schutzwald gerodet werden – die Post habe ein Gutachten, dass dieser Wald nicht notwendig sei.

Fledermäuse sollen gefährdet sein

Ins Treffen geführt wurde weiters die zu erwartende Belastung durch permanentes Flutlicht – in einem Natura 2000-Gebiet mit Fledermaus-Vorkommen. Angekündigt wurde zudem eine von der Behörde bereits genehmigte Demo an der Autobahnauffahrt Ost Richtung Wien für den Morgen des 12. Mai.

Am Podium saß auch Bürgermeister Günter Trettenhahn (ÖVP), der erklärte, die Gemeinderatsfraktionen hinter sich zu wissen. "Die Befürchtungen der Bürgerinitiative werden ernst genommen", betonte seine Amtsvorgängerin, NAbg. Dorothea Schittenhelm (ÖVP), in einer Aussendung. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (beide ÖVP) hätten bereits zugesagt, "dass die Anliegen genau geprüft werden und ein direkter Kontakt hergestellt wird". Damit sei ein wichtiger Schritt getab, eine gemeinsame Lösung herbei zu führen.

Ein aktuelles Verfahren werde nicht kommentiert, hieß es seitens der Post unter Hinweis auf die Prüfung der Umwidmung durch das Land – nach öffentlicher Auflage und einstimmigem Gemeinderatsbeschluss in Langenzersdorf. Fakt sei, dass Online-Shopping immer beliebter werde und steigende Paketmengen ein Verteilerzentrum für den Norden Wiens notwendig machen. Langenzersdorf sei u.a. aufgrund der Verkehrsanbindung die bestmögliche Option für die Post, sagte Sprecher David Weichselbaum zur APA. Auf einer Grundfläche von 96.000 Quadratmetern sollen 19.000 verbaut werden, eine Fertigstellung sei für 2018 geplant. Man orientiere sich dabei an der Erfahrung der Zentren in Wien-Donaustadt und Hall in Tirol. Gestartet werde mit 300 Beschäftigten, das seien sowohl neue als auch bestehende Arbeitsplätze. Die berechnete Zahl der täglichen Zu- und Abfahrten bezifferte der Sprecher im Vollausbau 2020 mit 1.600, davon 230 mit Lkw. (APA, 5.5.2017)

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