Terrorfestnahme und Greenpeace-Aktion vor Wahl in Frankreich

5. Mai 2017, 18:42
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Aktivisten brachten Riesenplakat gegen Le Pen auf Eiffelturm an – Sicherheitskräfte nahmen Terrorverdächtigen fest

Paris – Kurz vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen wächst die Sorge vor Zwischenfällen. Die Polizei nahm am Freitag einen "radikalisierten" Mann nahe der Militärbasis in Evreux fest, wie es in Justizkreisen hieß.

Der 34 Jahre alte Festgenommene war früher Soldat und wurde seit 2014 wegen seiner Radikalisierung überwacht. Im Wagen des Mannes, der in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts geparkt war, entdeckten die Behörden einen Koran sowie einen USB-Stick mit einem Bekenntnis zum IS. Bei dem Verdächtigen wurden zudem IS-Flaggen gefunden.

Waffenfund

In einem Gebüsch entdeckte die Polizei Waffen: eine Pumpgun, zwei Revolver sowie Munition. Die Behörden vermuten, er könnte einen Anschlag geplant haben. Ob dieser unmittelbar bevorstand oder noch in Planung war, ist unbekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines "terroristischen Vorhabens". Der Mann gilt den Ermittlern zufolge als "psychisch sehr instabil".

Der Pariser Polizeichef berief zudem eine Dringlichkeitssitzung ein, nachdem es Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace gelungen war, am helllichten Tag ein Transparent mit der Aufschrift "Liberté, Égalité, Fraternité" (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) am Eiffelturm anzubringen. "Ungeachtet der politischen Motive hat dieser Werbegag Fehler in den Sicherheitsvorkehrungen am Eiffelturm offengelegt", sagte Polizeipräfekt Michel Delpuech.

Am Sonntag sind 47 Millionen Franzosen zur Wahl aufgerufen. Jüngsten Umfragen zufolge kann Macron mit einer deutlichen Mehrheit rechnen. Das Thema Sicherheit spielte im Wahlkampf eine große Rolle, nachdem in den vergangenen zwei Jahren bei Anschlägen von Islamisten mehr als 230 Menschen getötet worden waren. Seither herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand.

Le Pen in Krönungskathedrale ausgebuht

Le Pen wurde derweil bei einem ihrer letzten Auftritte vor der Stichwahl ausgebuht. Sie besuchte am Freitag unangekündigt die Kathedrale der westfranzösischen Stadt Reims, wo früher die Könige gekrönt wurden. Als sie den zum Weltkulturerbe gehörenden Bau durch einen Seitenausgang verließ, skandierten rund hundert Demonstranten "Marine, gib das Geld zurück".

Gegen Le Pen und andere Europaabgeordnete des Front National ermittelt die Justiz in einer Scheinbeschäftigungsaffäre. Sie sollen Mitarbeiter als parlamentarische Assistenten entlohnt haben, obwohl diese in Wirklichkeit Parteiaufgaben übernahmen.

Le Pen warf Wählern Macrons vor, hinter der Demonstration zu stehen: "Die Anhänger Macrons üben überall Gewalt aus, sogar vor der Kathedrale von Reims, symbolischer und heiliger Ort. Würdelos", schrieb sie auf Twitter. (APA, Reuters, 5.5.2017)

  • "Ungeachtet der politischen Motive hat dieser Werbegag Fehler in den Sicherheitsvorkehrungen am Eiffelturm offengelegt", sagte Polizeipräfekt Michel Delpuech zur Aktion von Greenpeace gegen Marine Le Pen.
    apa / afp / jacques demarthon

    "Ungeachtet der politischen Motive hat dieser Werbegag Fehler in den Sicherheitsvorkehrungen am Eiffelturm offengelegt", sagte Polizeipräfekt Michel Delpuech zur Aktion von Greenpeace gegen Marine Le Pen.

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