Ländle-Marke ist gut subventiert, aber schlecht kontrolliert

5. Mai 2017, 14:25
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Die Ländle-Marke soll zum regionalen Einkauf animieren. Es fehlen aber Konzept und Kontrolle, sagt der Landesrechnungshof

Bregenz – Ländle-Kalb, Ländle-Wein, selbst Ländle-Christbäume sollen die Konsumentinnen und Konsumenten zum Kauf Vorarlberger Produkte animieren. 20 Marken bringt die Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH auf den Markt. Wie erfolgreich die Firma der Landwirtschaftskammer, die zu 70 Prozent vom Land finanziert wird, damit ist, wollte der Landesrechnungshof wissen – und ob das Label mit dem grünen Logo Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich Orientierungshilfe liefert.

Das Prüfergebnis, am Freitag von RH-Direktorin Brigitte Eggler-Bargehr präsentiert, ist ernüchternd: Die Ländle-Kennzeichnung bringe nicht die gewünschte Klarheit beim Einkauf. Die Erwartung der Verbraucherinnen und Verbraucher, überall, wo Ländle draufsteht, auch entsprechende Qualität und Kontrolle zu finden, werde nicht erfüllt. "Die Bandbreite reicht von verbindlichen Richtlinien bis zum gänzlichen Fehlen von Kriterien", stellt Eggler-Bargehr fest.

Verwirrung durch Labels

So muss in der Ländle-Metzg nur Kalb-, Rind- und Schweinefleisch, das über die Theke verkauft wird, aus Vorarlberg stammen. Alle anderen Produkte unterliegen nicht der Herkunftskontrolle. Verwirrung bei den Konsumentinnen und Konsumenten schaffe auch die Auszeichnung der Produkte durch Ländle-Marke und Ländle-Gütesiegel. Eine einheitliche Optik sei, so der Landesrechnungshof, im Sinne der Konsumierenden anzustreben.

In den letzten fünf Jahren förderte das Land die Marketingfirma mit 3,6 Millionen Euro aus direkten Förderungen, indirekte Förderungen durch Inserate geförderter Institutionen und Ähnliches steigern den Subventionsanteil weiter. Der Bund stieg 2015 aus der Förderung (rund drei Prozent) aus, schließlich gibt es ein bundesweites Gütesiegel.

Obwohl die Firma aus Steuergeldern finanziert wird, verzichtete das Land auf entsprechende Steuerung und Kontrolle. Es liegen weder ein Businessplan noch definierte Ziele der Firma vor. Weder wurde regelmäßig über die Verwendung der Fördergelder berichtet, noch herrsche im Unternehmen das Vieraugenprinzip.

Opposition fordert Kontrolle

Erste Reaktionen aus der Politik: Die Neos fordern die Landesregierung auf, den "Blindflug" sofort zu beenden und die Steuerungsfunktion wahrzunehmen. Die SPÖ kritisiert, dass "der lasche Umgang der Landwirtschaftskammer in Finanzfragen auch in der Ländle-Marketing GmbH fortgesetzt wird". Landwirtschaftssprecher Reinhold Einwallner vermisst die Kontrolle durch den Subventionsgeber Land. Es werde blind, aber sehr großzügig gefördert. Die Empfehlungen des Landesrechnungshofs gelte es rasch umzusetzen, fordert er von Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP).

Die Grünen verlangen eine Grundsatzentscheidung von Kammer und Land. Landwirtschaftssprecher Daniel Zadra: "Es gilt zu entscheiden, ob Ländle-Marketing eine reine Werbeplattform oder aber ein Exzellenz-Förderprogramm für die besten LandwirtInnen sein soll." (Jutta Berger, 5.5.2017)

  • Auf der Ländle-Website wird mit Wurst für Ländle-Metzger geworben. Herkunftskriterien gelten aber nicht für Wurst.
    foto: ländle marketing

    Auf der Ländle-Website wird mit Wurst für Ländle-Metzger geworben. Herkunftskriterien gelten aber nicht für Wurst.

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